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Auf dieser Webseite:

Zitate, Publikationen, Kommentare und Links zu Antonio Gramsci. Some resources in english.

Verwandte Themen:

Themenkreis Alltagsleben, Urbanität und Zivilgesellschaft: Urbane Praxis. Gramsci im Zusammenhang der Philosophie und Wissenschaft gesellschaftlicher  Praxis: Philosophie der Praxis. Erste Buchveröffentlichung der praxisphilosophischen Initiative: Das PRAXIS-Konzept.
      

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  Antonio Gramsci zum Theorie-Praxis-Problem
  
"Mit der Behauptung, die Philosophie der Praxis sei von jeder anderen philosophischen Strömung unabhängig und sich selbst genügend, hat A. Labriola in Wirklichkeit als einziger versucht, die Philosophie der Praxis wissenschaftlich zu konstruieren." (Philosophie der Praxis, S. 1492)

"Wir kennen die Wirklichkeit nur im Verhältnis zum Menschen. Und da der Mensch geschichtliches Werden ist, ist auch Erkenntnis und Realität ein Werden, ist auch Objektivität ein Werden.."

"Das Identischsetzen von Theorie und Praxis ist ein kritischer Akt, wobei die Praxis als rational und notwendig oder die Theorie als realistisch und rational bewiesen wird."

"Man muß eine Lehre erarbeiten, in der all diese Verhältnisse tätig und in Bewegung sind, wobei ganz deutlich festgestellt wird, daß der Sitz dieser Tätigkeit das Bewußtsein des Einzelmenschen ist, der erkennt, will, bewundert, schafft, insofern er bereits erkennt, will, bewundert, schafft usw. und sich nicht als isoliert, sondern als voller Möglichkeiten begreift, die ihm von anderen Menschen und von der Gesellschaft der Dinge geboten werden, wovon er unvermeidlich eine gewisse Kenntnis hat. Wie jeder Mensch Philosoph ist, so ist jeder Mensch Wissenschaftler.." (Philosophie der Praxis, S. 1349)

"Ausgeschlossen kann werden, dass die unmittelbaren Wirtschaftskrisen von sich aus fundamentale Ereignisse hervorbringen; sie können nur einen günstigeren Boden für die Verbreitung bestimmter Weisen bereiten, die für die ganze weitere Entwicklung des staatlichen Lebens entscheidenden Fragen zu denken, zu stellen und zu lösen." (Gefängnishefte 13. Heft, § 17)
    

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Gramsci in der Entwicklungslinie der Philosophie der Praxis
  
Müller, Horst: Revolte der Parteiintellektuellen. Lukacs, Korsch, Gramsci, Abschnitt S. 33-44 in: Praxis und Hoffnung. Studien zur Philosophie und Wissenschaft gesellschaftlicher Praxis von Marx bis Bloch und Lefebvre. Germinal Verlag, Bochum 1986.
  
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Literatur von und zu Antonio Gramsci
  
Gramsci, Antonio: Gefängnishefte. Band 1-9. Argument Verlag, Hamburg. Buchprospekt des Argument Verlags.

Gramsci, Antonio: Philosophie der Praxis. Band 6 der Gefängnishefte, Argument Verlag, Hamburg 1999


Haug W.F.: Philosophieren mit Brecht und Gramsci. Argument Verlag, Hamburg 1996.

Haug W.F.: Historischer Materialismus und Philosophie der Praxis. Von Marx zu Gramsci, von Gramsci zu Marx. In: Das Argument 236, S. 387-398. Argument Verlag, Hamburg 2000.

Hirschfeld, Uwe / Rügemer, Werner (Hrsg.): Utopie und Zivilgesellschaft. Rekonstruktionen, Thesen und Informationen zu Antonio Gramsci. Edition Sonntag, Elefantenpress, Berlin 1990.

Kebir, Sabine (Hrsg.): Antonio Gramsci - Marxismus und Kultur. Ideologie, Alltag, Literatur. VSA-Verlag, Hamburg 1983. [ Sorgfältige Auswahl von kulturtheoretischen Schriften von Antonio Gramsci ].

Kebir, Sabine: Gramsci's Zivilgesellschaft. Alltag, Ökonomie, Kultur, Politik. VSA-Verlag, Hamburg 1991.

Kramer, Annegret: Gramscis Interpretation des Marxismus, in: Gesellschaft, Beiträge zur Marxschen Theorie 4, S. 65-118, Hsg. v. H.-G. Backhaus u.a., Frankfurt am Main 1975 (es 764) Als IPkW-Onlinetext. [ Marxismus als Philosophie der Praxis und Grundbegriffe der politischen Philosophie Antonio Gramscis ]

Losurdo, Domenico: Der Marxismus Antonio Gramscis. Von der Utopie zum kritischen Kommunismus. VSA-Verlag, Hamburg.

Merkens, Andreas / Diaz, Victor Rego (Hg.): Mit Gramsci arbeiten. Texte zur politisch-praktischen Aneignung Antonio Gramscis. Argument-Verlag, Hamburg 2007 (Argument Sonderband Neue Folge AS 305) [ Darin der Beitrag von Mario Candeias: Gramscianische Konstellationen. Hegemonie und die Durchsetzung neuer Produktions- und Lebensweisen und u.a. S. 190-203 von W.F. Haug: Marxistisch philosophieren - aber wie? ]

Riechers, Christian (Hrsg.): Antonio Gramsci. Philosophie der Praxis. Eine Auswahl. Mit einem Vorwort von Wolfgang Abendroth. Frankfurt am Main 1967. [ Ein Klassiker unter ehemaligen linken Studientexten, mit einer ausgezeichneten Auswahl. Leider vergriffen ! ] ]

Rodriguez-Lores, Juan: Die Grundstruktur des Marxismus. Gramsci und die Philosophie der Praxis. Makol Verlag, Frankfurt am Main 1971.

Rossanda, Rossana: Vor 70 Jahren starb Antonio Gramsci - Denker der Niederlagen der europäischen Revolution. Il Manifesto, Rom, 1.5.2007. Als IPkW-Onlinetext.

Roth, Gerhard: Gramscis Philosophie der Praxis. Eine neue Deutung des Marxismus. Patmos Verlag, Düsseldorf 1972.

Zamis, Guido: Antonio Gramsci. Zur Politik, Geschichte und Kultur. Ausgewählte Schriften. Röderberg Verlag, Frankfurt am Main 1980.
  

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Links zu Antonio Gramsci
  
International Gramsci Society
http://www.internationalgramscisociety.org/

Antonio Gramsci
Life, theoretical concepts, merits and flaws of Gramsci's theory.
http://www.theory.org.uk/ctr-gram.htm 

Gramsci Link Archive
http://www.victoryiscertain.com/gramsci/

Gramsci and Marxism
http://socserv2.mcmaster.ca/soc/courses/soc2r3/gramsci/gramarx.htm


Crest Capital: Gramsci-Website. Online bei Crest Capital [ Kleine, ungewöhnliche Gramsci-Seite mit informativen Links ]

Kehoe, Killian: The Whole Picture - Gramscian Epistemology through the Praxis Prism. Online bei University College Cork, 2003.

Kraetke, Michael R.: Antonio Gramscis Beiträge zu einer kritischen Ökonomie. Online über
http://www.glasnost.de/autoren/kraetke/gramsci.html

Krauss, Hartmut: Gramscis Beitrag zur Grundlegung einer subjektwissenschaftlichen Perspektive im Marxismus. http://www.glasnost.de/autoren/krauss/gramsci.html
  

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  Zitate von und zu Gramsci mit Bezug zur Gesellschaft und Politik heute
   
Die Dialektik von Theorie und Praxis ist eine zu komplizierte Angelegenheit, als dass man sie auf die unvorsichtige Formel bringen sollte, dass „die Konstruktion eines Alternativprojekts nur als gesellschaftlicher Prozess, als Bewegungspraxis möglich ist“. Oder wie könnte etwa eine Bewegungspraxis, höchst anspruchsvoll ausgerichtet als „Kampf um Hegemonie“, ohne Orientierung auf ein hinreichend konkretes, in den gesellschaftlichen Verhältnissen und Praxen praktisch-objektiv fundiertes, vereinigendes gesellschaftliches Projekt zustande kommen, geschweige denn erfolgreich sein?

aus: Horst Müller, Einleitung zu Das PRAXIS-Konzept im Zentrum gesellschaftskritischer Wissenschaft. Fußnote S. 21.


Das künstlerische Verhältnis zeigt besonders in der Philosophie der Praxis die seichte Naivität der Papageien, die glauben, in wenigen stereotypen Formelchen den Schlüssel zu allen Türen zu besitzen (diese Schlüssel heißen trefflich »Dietriche«). Zwei Schriftsteller können denselben gesellschaftlichgeschichtlichen Moment repräsentieren (ausdrücken), aber der eine kann Künstler sein und der andere einfach ein kleiner Schmierfink. Die Frage darin zu erschöpfen, dass man sich auf die Beschreibung dessen beschränkt, was die beiden gesellschaftlich repräsentieren oder ausdrücken, also mehr oder  weniger gut die Züge eines bestimmten gesellschaftlich-geschichtlichen Moments zusammenfassen heißt, das künstlerische Problem nicht einmal zu streifen.

All das kann nützlich und notwendig sein, ist es sogar mit Sicherheit, aber auf einem anderen Gebiet: auf dem der politischen Kritik, der Kritik der Gewohnheit, im Kampf für die Zerstörung und Überwindung gewisser Gefühls- und Glaubensströmungen, gewisser Haltungen zum Leben und zur Welt; es ist keine Kunstkritik und -geschichte und kann nicht als solche auftreten, bei Strafe totaler Verworrenheit und des Zurückbleibens oder der Stagnation der wissenschaftlichen Begriffe, also gerade des Nichtverfolgens der dem kulturellen Kampf innewohnenden Ziele.

Ein bestimmter gesellschaftlich-geschichtlicher Moment ist niemals homogen, vielmehr steckt er voller Widerspräche. Er gewinnt »Persönlichkeit«, ist ein »Moment« der Entwicklung aufgrund der Tatsache, dass in ihm eine bestimmte grundlegende Tätigkeit des Lebens über andere vorherrscht, einen geschichtlichen »Höhepunkt« darstellt: das setzt aber eine Hierarchie, einen Gegensatz, einen Kampf voraus. Derjenige müsste den gegebenen Moment repräsentieren, der diese vorherrschende Tätigkeit, diesen geschichtlichen »Höhepunkt« repräsentiert; wie aber beurteilen, wer die anderen Tätigkeiten, die anderen Elemente repräsentiert? Sind nicht auch diese »repräsentativ«? Und ist nicht »repräsentativ« für den »Moment« auch, wer die »reaktionären« oder anachronistischen Elemente ausdrückt? Oder wird für repräsentativ zu halten sein, wer alle Kräfte und die im Gegensatz und im Kampf befindlichen Elemente ausdrückt, wer also die Widersprüche der gesellschaftlich-geschichtlichen Gesamtheit repräsentiert? (...)

aus: Antonio Gramsci „Gefängnishefte", Bd. 9, Heft 23, § (3) Kunst und Kampf für eine neue Kultur. Argument Verlag, Hamburg 1999
  

Zivilgesellschaft und Kapitalismus

  
Gerald Fricke
Warum die »Zivilgesellschaft« den Kapitalismus nicht stoppen wird
Kommentar zu Joachim Hirsch: Vom Sicherheitsstaat zum nationalen Wettbewerbsstaat
im ID-Verlag, Berlin 1998

War eigentlich früher, als der goldene Keynesianismus noch funktionierte, alles besser? Als man noch für sein Auto arbeitete, mit dem man dann zur Arbeit fuhr, um für sein Auto zu arbeiten, mit dem man dann wieder zur Arbeit fuhr, auf Straßen, die Papa Staat fleißig baute und Scheiß auf die Umwelt? Natürlich nicht, aber manchmal glaubt man's irgendwie fast.

Zur Sache: In der Nachkriegszeit bildete sich vor dem Hintergrund des Kalten Krieges der »fordistische« Kapitalismus heraus, charakterisiert durch eine erhebliche Ausweitung des Staatsinterventionismus, die Einbeziehung der Arbeiterbewegung in die staatlichen Regulierungsmechanismen, tayloristische Massenproduktion und Massenkonsum sowie einen systematischen Ausbau des bürokratischen Sozialstaats - das »goldene Zeitalter« eines »zivilisierten« Kapitalismus war erreicht, gekennzeichnet durch einen »Staatskorporatismus«, hohe Wachstumsraten, rasch zunehmendes Masseneinkommen, umfassende soziale Sicherung und annähernde Vollbeschäftigung. Diese Zeiten sind nun, so Joachim Hirsch, endgültig passé. Im Gefolge der andauernden Weltwirtschaftskrise der siebziger Jahre (des Umschlags der guten zu den schlechten Siebzigern) hätte sich das »internationale Kapital« neu formiert und in Zusammenarbeit mit den in vielen Teilen der Welt an die Macht gekommenen neoliberalen Regierungen eine grundlegende »Restrukturierung des kapitalistischen Systems« eingeleitet - auch »neoliberale Konterrevolution« (Elmar Altvater) geheißen. Das Gerede von der »Globalisierung« wiederum diene als »ideologische Propagandaformel« zur Legitimierung dieser Restrukturierung. Der »bürgerlich-kapitalistische Staat« würge sich dergestalt mitten durch eine weitreichende »Transformation«, die nicht einer sachzwanghaften Gesetzmäßigkeit, sondern einer politisch durchgesetzten Krisenlösungsstrategie geschuldet ist: Vom Sicherheitsstaat zum nationalen Wettbewerbsstaat. Damit ist auch gleichzeitig die Transformation von Hirschs Analyse gekennzeichnet, die über das »Modell Deutschland«, den Sicherheitsstaat (1980), zum nationalen Wettbewerbsstaat (1995) der »Deutschland AG« führt.

Der »Sicherheitsstaat« der Nachkriegsära hatte ein doppeltes Gesicht: Auf der einen Seite war er ein »Wohlfahrtsstaat«, der die Gesellschaft materiell zu integrieren suchte; andererseits funktionierte er als bürokratisch-repressiver Überwachungsstaat. Dieser wurde zum »nationalen Wettbewerbsstaat« umgeformt, dessen »grundlegende politische Priorität in der Gewährleistung optimaler Verwertungsbedingungen für ein grenzüberschreitend flexibel gemachtes Kapital besteht«. Der »nationale Wettbewerbsstaat« bleibe aber, der neoliberalen Ideologie (Deregulierung, Privatisierung, »schlanker Staat«) zum Trotz, ein autoritärer und starker Staat. Verändert haben sich aber die »Ausgrenzungsmuster, die Feindbilder und Legitimationsbeschaffungsmechanismen«.

Schlechte Zeiten also für die Revolution. Die Konterrevolution marschiert. Auch die Begriffe transformieren sich: Was bei Hirsch noch ganz ehrlich Kapitalismus, imperialistische Ausbeutung und Klasse heißt, wird von der neustrukturierten Linken längst Globalisierung, Strukturanpassung und »soziales Milieu« genannt. Das neueste pseudolinke Verschleierungsprojekt heißt »Zivilgesellschaft« bzw. »Bürgergesellschaft«, eine Ersatzformel und schwammiges Passepartout der »Metropolenlinken«, mit der sich nicht nur die »Verabschiedung von radikaler Kapitalismuskritik, sondern auch der Verzicht auf Utopien und die entschlossene Hinwendung zum realpolitischen Machbaren« verbinde: Sicherung und Ausbau der »liberal-kapitalistischen Demokratie«. Ein »Liberalismus der Erschöpften« (Wolf- Dieter Narr) also, und zugleich die linke Variante des Postulats vom »Ende der Geschichte«, mit der die bestehende Gesellschaft kurzerhand zur bestmöglichen erklärt wird. In der Tat: Welcher brave Sozialdemokrat, der von der Zivilgesellschaft schwärmt, hat wohl Politische Ökonomie und Antonio Gramsci studiert?

Was aber bleibt der »emanzipatorischen Linken«? Eine »kulturrevolutionäre Politik«, die auf eine gesellschaftliche Veränderung innerhalb der »kapitalistischen Metropolen« drängt, ohne die eine »Verbesserung der Zustände in den Hinterhöfen der Welt nicht denkbar« ist - also doch »Zivilgesellschaft«, die jedoch erst dann wirkliche »demokratische Qualität erhält, wenn die bestehenden ökonomischen, gesellschaftlichen und politischen Strukturen grundlegend umgewälzt werden«.

Eine profunde Analyse, keine Frage. Nebulös bleibt allerdings, wie immer, die Frage nach den Akteuren: Wer formt den Staat um, wer genau »transformiert« den Kapitalismus, wer beschließt das »neoliberale Projekt«? Etwas genauer als »das internationale Finanzkapital« oder schlicht »die Politik« hätte man's schon gern mal. Es gibt eben kein übergreifendes, einheitliches und internationales neoliberales Projekt, weil es keine koordinierte Verknüpfung und Verständigung der konservativ-liberalen Regierung, der Unternehmen sowie all der Verkünder der marktradikalen Heilslehre, der Sachverständigenräte, der »fünf Weisen«, der Bundesbank-Ökonomen oder der Medien gibt, und weil es diese anscheinend gar nicht zu geben braucht. Und umgekehrt, wer »überwindet« das ganze Schweinesystem? Wer bewirkt »internationale Solidarität«, wer löst eine »Kulturrevolution« aus? Der Bürger, die Arbeiterklasse, am Ende gar das »Volk«? Jetzt nichts Falsches sagen - an dieser Stelle hör' ich lieber auf...

Quelle: Literaturbeilage Junge Welt v. 25. März 1998.
  

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