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Auf dieser Webseite:

Zitate, Publikationen, Kommentare und Links zu Jürgen Habermas, mit der Intention einer kritischen Insichtnahme von Werk und Wirken. 

Verwandte Themen:

Ansätze der Gesellschaftstheorie: Gesellschaftstheorien. Der Frankfurter Kreis und die Epigonen: Frankfurter Schule. Sonderseite zu Th.W. Adorno: Adorno. Eine praxistheoretische Gegenposition: Bourdieu. Die Alternative zur Theorie des kommunikativen Handelns: Philosophie der Praxis.
      

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  Grundmotive und Leitthesen
   
"Ich habe ein Grundmotiv und eine grundlegende Intuition. Diese geht übrigens auf religiöse Traditionen, etwa der protestantischen oder der jüdischen Mystiker zurück, auch auf Schelling. Der motivbildende Gedanke ist die Versöhnung der mit sich selber zerfallenden Moderne, die Vorstellung also, dass man ohne Preisgabe der Differenzierungen, die die Moderne sowohl im kulturellen wie im sozialen und ökonomischen Bereich möglich gemacht haben, Formen des Zusammenlebens findet, in der wirkliche Autonomie und Abhängigkeit in ein befriedetes Verhältnis treten." (ÄuK Interview 151, TKH 583)

"Sie sehen - meine theoretischen Interessen sind von Anbeginn und anhaltend durch jene Probleme bestimmt worden, die philosophisch und gesellschaftstheoretisch aus der Denkbewegung von Kant bis Marx entstanden sind. Meine Intentionen und Grundüberzeugungen sind in der Mitte der fünfziger Jahre durch den westlichen Marxismus geprägt worden, durch die Auseinandersetzung mit Lukacs, Korsch und Bloch, mit Sartre und Merleau-Ponty, und natürlich mit Horkheimer, Adorno und Marcuse. Alles, was sich mir sonst angeeignet habe, erhält seinen Stellenwert einzig im Zusammenhang mit dem Projekt einer auf dieser Traditionslinie erneuerten Gesellschaftstheorie." (New Left Review 1985).

"Rekonstruktion bedeutet in unserem Zusammenhang, dass man eine Theorie auseinandernimmt und in neuer Form wieder zusammensetzt, um das Ziel, das sie sich gesetzt hat, besser zu erreichen." (RHM 9) „In früheren Untersuchungen habe ich schon zu begründen versucht, dass holistische Begriffe wie produktive Tätigkeit und Praxis in die Grundbegriffe des kommunikativen und des zweckrationalen Handelns zerlegt werden müssen, um zu vermeiden, daß wir die beiden Rationalisierungsprozesse, die die Evolution bestimmen, vermengen."  (RHM 31)

"Hätte Marx Interaktion mit Arbeit nicht unter dem Titel der gesellschaftlichen Praxis zusammengeworfen, hätte er stattdessen den materialistischen Begriff der Synthesis auf die Leistungen instrumentalen und die Verknüpfungen kommunikativen Handelns gleichermaßen bezogen, dann wäre die Idee einer Wissenschaft vom Menschen nicht durch die Identifikation mit Naturwissenschaft verdunkelt worden" ...  Marx hat diese Idee der Wissenschaft vom Menschen nicht entfaltet, er hat sie durch die Gleichsetzung der Kritik mit Naturwissenschaft sogar desavouiert." (EuI 85 f.)

"Der Fokus der Untersuchung verschiebt sich damit von der kognitiv-instrumentellen zur kommunikativen Rationalität. Für diese ist nicht die Beziehung des einsamen Subjekts zu etwas in der objektiven Welt, das vorgestellt und manipuliert werden kann, paradigmatisch, sondern die intersubjektive Beziehung, die sprach- und handlungsfähige Subjekte aufnehmen, wenn sie sich miteinander über etwas verständigen." (TKH 1/525)

"Die Unschuld der Technik, die wir gegen ihre ahnungsvollen Verächter [ Bloch, Marcuse ] verteidigen müssen, besteht ganz einfach darin, daß die Reproduktion der Menschengattung an die Bedingungen instrumentalen, überhaupt zweckrationalen Handelns gebunden ist - und dass deshalb nicht die Struktur, sondern nur die Reichweite der technischen Verfügungsgewalt historisch sich ändern kann." (TuP 348) "Die Gattung lernt nicht nur in der für die Produktivkraftentfaltung entscheidenden Dimension des technisch verwertbaren Wissens, sondern sondern auch in der für die Interaktionsstrukturen ausschlaggebenden Dimension des moralisch-praktischen Bewußtseins." (RHM 162) 

Deshalb werde ich vorschlagen, die Gesellschaft gleichzeitig als System und Lebenswelt zu konzipieren“ (TKH 2/183).  „Die Systemevolution bemisst sich an der Steigerung der Steuerungskapazität einer Gesellschaft, während das Auseinandertreten von Kultur, Gesellschaft und Persönlichkeit den Entwicklungsstand einer symbolisch strukturierten Lebenswelt anzeigt“. (TKH 2/228) "Die symbolischen Strukturen der Lebenswelt reproduzieren sich auf dem Wege der Kontinuierung von gültigem Wissen, der Stabilisierung von Gruppensolidarität und der Heranbildung von zurechnungsfähigen Aktoren." (TKH 209)

„Das kapitalistische Wirtschaftssystem ... verdankt seine Entstehung einem neuen Mechanismus, dem Steuerungsmedium Geld“. "Dieses Medium .... bildet die Grundlage für ein normativen Kontexten entwachsenes Subsystem." Es sind "der kapitalistische Betrieb und die moderne Verwaltung systemisch verselbständigte Einheiten innerhalb normfreier Subsysteme." (TKH 2/255 ff.) „Die monetär gesteuerte Ökonomie ist… auf die funktionale Ergänzung durch ein administratives Handlungssystem angewiesen, das über das Medium Macht ausdifferenziert wird“.

"An die Stelle des falschen tritt heute das fragmentierte Bewusstsein, das der Aufklärung über den Mechanismus der Verdinglichung vorbeugt. Erst damit sind die Bedingungen einer Kolonialisierung der Lebenswelt erfüllt: die Imperative der verselbständigten Subsysteme dringen, sobald sie ihres ideologischen Schleiers entkleidet sind, von außen in die Lebenswelt - wie Kolonialherren in eine Stammesgesellschaft - ein und erzwingen die Assimilation." (TKH 2/522)

"Mit diesem Zugriff habe sich versucht, den Historischen Materialismus von seinem geschichtsphilosophischen Ballast zu befreien." (TKH 2/562) "Die Theorie des kommunikativen Handelns soll eine Alternative für die unhaltbar gewordene Geschichtsphilosophie bieten, der die ältere Kritische Theorie noch verhaftet war." (TKH 2/583) Es geht um „eine Theorie der kapitalistischen Modernisierung." Diese Theorie ist „kritisch, soweit diese [Gesellschaften] das Lernpotential, über das sie verfügen, nicht ausschöpfen und sich einer ungesteuerten Komplexitätssteigerung ausliefern.“ (TKH 2/549) "Eine solche Theorie kann nicht mehr an konkreten, den überlieferten Lebensformen innewohnenden Idealen ansetzen. Sie muss auf die kritische Beurteilung und normative Einordnung von Totalitäten, Lebensformen und Kulturen, von Lebenszusammenhängen und Epochen im ganzen verzichten.“ (TKH 2/562)

„Die Philosophie hat .. die Aufgabe, … die Universalität des in den Wissenschaften ausgebildeten objektivierenden Denkens ebenso wie die Universalität der Grundsätze einer rationalen, der Rechtfertigung fähigen Lebenspraxis darzutun." Es geht um "kulturell universale Grundlagen von Denken und rationaler Lebensführung.“ (RHM 57) „Nur eine universalistische Moral, die allgemeine Normen und verallgemeinerungsfähige Interessen als vernünftig auszeichnet, kann mit guten Gründen verteidigt werden." (RHM 96) Ich möchte sogar die These vertreten, daß die Entwicklung dieser normativen Strukturen der Schrittmacher der sozialen Evolution ist..." (RHM 35).

"Die kommunikative Vernunft ist gewiß eine schwankende Schale - aber sie ertrinkt nicht im Meer der Kontingenzen, auch wenn das Erzittern auf hoher See der einzige Modus ist, in der sie Kontingenzen 'bewältigt'." (Nachmetaphysisches Denken 184 f.)
    

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  Elend der deutschen Sozialphilosophie

  
Habermas' Arbeiten sind insgesamt der Versuch, den mit Marx in die Welt gekommenen Ansatz einer Philosophie und Wissenschaft gesellschaftlicher Praxis aus dem Feld zu schlagen und an seine Stelle eine Theorie des kommunikativen Handelns vorzustellen, die das höchste Niveau moderner Sozialphilosophie und universelle Geltung beansprucht. Dieses gescheiterte Werk beruht auf rational nicht nachvollziehbaren Missinterpretationen des Marxschen Praxisdenkens und Werkschaffens, die bis in die letzten Partien des Hauptwerks matrahaft wiederholt und von den Epigonen weiter getragen werden.

Dass traditionelle, praxistheoretisch unzureichend reflektierte, unschöpferische Marxinterpretationen dem Vorschub geleistet hat, nimmt den schlechten Nachgeschmack nicht weg: Praktische Intersubjektivität ist kein zureichender Begriff für menschliche Wirklichkeit, die als widersprüchliche gesellschaftliche Praxis konstituiert und zu begreifen ist.

Wir verdanken Habermas einen Versuch zur Destruktion des Praxiskonzepts durch die Erfindung des neuen Dualismus von instrumentellem und kommunikativem Handeln, dessen Kultivierung in immer höherer Potenz, die Eliminierung der Wissenschaft der politischen Ökonomie aus dem Kernbereich der Gesellschaftswissenschaften, die theoretischen Konstrukte System und Lebenswelt, jedes für sich ein Torso, schließlich deren Überkronung durch eine so abstraktifizierende wie gefällige Moralphilosophie. Dadurch wurden grundlegende Aspekte einer dialektischen Sozialphilosophie, einer tragfähigen Wirtschafts-, Gesellschafts- und Geschichtsanalytik vernebelt und relevante Teile der gesellschaftswissenschaftlichen Intelligenz desorientiert.

Die geistige, sowohl institutionell wie publizistisch und politisch verankerte Gewaltsamkeit, mit der sich diese überbordend beredte und bepreiste Sozialphilosophie als Stimulus kapitalistischer Modernisierung Platz gemacht hat, ist die Selbstwiderlegung ihres Anspruchs auf kommunikative Rationalität.

Horst Müller, Januar 2009
  
  

  Jürgen Habermas Aktuell
    
Habermas Forum.
News, Literatur, Online Texte. Ein Online-Portal von Kristian Hansen und Thomas Gregersen, Denmark.

  
Habermas, Jürgen: Nach dem Bankrott. Ein Gespräch mit dem Philosophen Jürgen Habermas. In:
DIE ZEIT, 06.11.2008 Nr. 46. Bei der ZEIT als Onlinetext.

Habermas Video: Jürgen Habermas im Interview mit Stefan Müller-Doohm. Als Video bei YouTube (5 min.)

Habermas, Jürgen: Von den Weltbildern zur Lebenswelt. Vortrag beim XXI. Deutschen Kongress für Philosophie - Lebenswelt und Wissenschaft, September 19, 2008, Universität Duisburg-Essen. Video des Vortrags ( 60 min.)
  

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Theoriezentrale Arbeiten von Jürgen Habermas
  
Habermas, Jürgen (1957): Literaturbericht zur philosophischen Diskussion um Marx und den Marxismus. S. 387-463 in: Ders., Theorie und Praxis. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1978.

Habermas, Jürgen (1965): Erkenntnis und Interesse. Frankfurter Antrittsvorlesung. S.146-168 in: ders.: Technik und Wissenschaft als Ideologie. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 1968 (es 287).

Habermas, Jürgen (1967): Arbeit und Interaktion. Bemerkungen zu Hegels Jenenser 'Philosophie des Geistes'. In: ders.: Technik und Wissenschaft als Ideologie. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 1968.

Habermas, Jürgen (1968): Technik und Wissenschaft als Ideologie. Zum 70. Geburtstag von Herbert Marcuse. S. 48-103 in: ders.: Technik und Wissenschaft als Ideologie. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 1968. Mit einem neuen Nachwort 1994.

Habermas, Jürgen (1968): Erkenntnis und Interesse. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main. Mit einem neuen Nachwort 1994 (stw 1). Jetzt: Philosophische Bibliothek Bd. 589. Felix-Meiner-Verlag, Hamburg 2008.

Habermas, Jürgen (1970): Zur Logik der Sozialwissenschaften. Materialien. Erweiterte Auflage 1982. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1970 (es 481).

Habermas Jürgen: Zur Rekonstruktion des Historischen Materialismus. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 1976 (stw 154).

Habermas, Jürgen: Theorie und Praxis. Sozialphilosophische Studien. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 1971 (stw 243).

Habermas, Jürgen: Theorie des kommunikativen Handelns. Band 1+ 2. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1981.

Habermas, Jürgen: Aufgaben einer kritischen Gesellschaftstheorie. S. 548-593 in: Ders.: Theorie des kommunikativen Handelns. Bd. 2: Zur Kritik der funktionalistischen Vernunft. Frankfurt am Main 1981.

Habermas, Jürgen: Die Neue Unübersichtlichkeit. Kleine Politische Schriften V. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1985 (es 1321).

Habermas, Jürgen: Dialektik der Rationalisierung. S.167-208 in: Ders.: Die Neue Unübersichtlichkeit. Kleine Politische Schriften V. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1985 (es 1321).

Habermas, Jürgen: Die Krise des Wohlfahrtsstaates und die Erschöpfung utopischer Energien. S.141-163 in: Ders.: Die Neue Unübersichtlichkeit. Kleine Politische Schriften V. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1985 (es 1321).

Habermas, Jürgen: Ein Interview mit der New Left Review. S. 213-257 in: Ders.: Die Neue Unübersichtlichkeit. Kleine Politische Schriften V. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1985 (es 1321). [ Über intellektuelle Einflüsse auf das Werk und die Entwicklung des Theorieprogramms ]

Habermas, Jürgen: Faktizität und Geltung. Beiträge zur Diskurstheorie des Rechts und des demokratischen Rechtsstaats. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1992. Antwort des Autors auf kritische Stellungnahmen zu Faktizität und Geltung in einem Anhang zu: Die Einbeziehung des Anderen. Studien zur politischen Theorie. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1996. Siehe Rezension von M. Bondeli, Widerspruch Nr. 31 (1998), dort als Onlinetext.

Habermas, Jürgen: Die postnationale Konstellation. Politische Essays. Frankfurt am Main 1998.

Habermas, Jürgen: Ach, Europa. Kleine politische Schriften XI. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2008.
    

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Streitfall Jürgen Habermas
  
Bolz, Norbert: Habermas als der Erzieher der Deutschen. In: Funken, Michael (Hg.), Über Habermas. Gespräche mit Zeitgenossen. Primus-Verlag, Darmstadt 2008. [ Verweist auf Habermas als Exponent der Reeducation und auf die Steigbügelhalter des Habermasianismus, gesteht aber auch die negative Faszination, die das Phänomen auf ihn ausübt. Ansonsten im Sammelband:
Gespräche über Habermas mit einer bundesrepublikanischen Prominentenmischung, darunter Joschka Fischer, Wolfgang Schäuble, Bischof Huber sowie Ralf Dahrendorf, Alexander Kluge und Axel Honneth. Als ob wir es noch nicht gehört hätten: Der große Navigator Habermas, einer der bedeutendsten Intellektuellen, ein Meisterdenker ]

Flores d'Arcais, Paolo: Philosophie: Elf Thesen zu Habermas. In: Die Zeit am 22. November 2007. Die Zeit Onlinetext. [ Die Weltreligionen sind mächtig genug. Deshalb ist es ein Fehler, wenn Philosophen sie als Sinn-Ressource der Demokratie feiern ]

Rainer Forst / Klaus Günther / Axel Honneth / Ingeborg Maus / Oskar Negt / Ulrich Oevermann / Klaus Offe / Albrecht Wellmer: Theorie und Praxis. Jürgen Habermas zum 80. S. 40-63 In: Blätter für deutsche und internationale Politik Nr. 6/2009. [ Aufschlussreiche Affirmation und Lobpreisung durch ehemalige Assistenten sowie einige seiner engsten Frankfurter Mitarbeiter. Darunter Axel Honneth mit dem gequälten und quälenden Versuch, in der Abendröte des Habermasschen Werkes den Widerschein eines "marxistischen Glutkerns" aufzuspüren ] 

Hacke, Jens: Wir-Gefühle. Repräsentationsformen kollektiver Identität bei Habermas. EUROZINE In: Mittelweg 36, Nr. 6/2008. Als Onlinetext bei Eurozine.  [ In letzter Zeit artikulieren sich verstärkt Gegenstimmen zum Habermasianischen Projekt einer kollektiven europäischen Identität, wobei seine Kritiker nicht lediglich politisch andere Optionen vertreten, sondern vielmehr Habermas' Verständnis des Politischen grundsätzlich in Zweifel ziehen ]

Klenner, Hermann: Ach, Habermas. Rezension zu: Jürgen Habermas: Ach, Europa. Kleine politische Schriften XI, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2008. In: Neues Deutschland, 3. Juli 2008. Onlinetext bei der AG Friedensforschung an der Uni Kassel [ Und ist es zu unverschämt, jemandem, der die Unrechtsphänomene in der Welt von heute so scharfzüngig attackiert, vorzuwerfen, dass er die Frage nach deren Ursachen unterbelichtet, zuweilen sogar ausblendet? ]

Mouffe, Chantal: Über das Politische. Wider die kosmopolitische Illusion. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007. [ Zurückweisung der sozialphilosophischen und politischen Grundauffassung der Habermas, Beck und Giddens als Vertreter des deliberativen Paradigmas. Begründung der antagonistischen Dimension des Politischen und der Demokratie ]

Müller, Horst: Vom Marxismus zur Konkreten Praxisphilosophie. Einführung mit Untersuchungen zu Marx, Bloch, Habermas, Mead, Bourdieu. Herausgabe sowie  Vertrieb: Helle Panke e.V.: Philosophische Gespräche Heft 12, Berlin 2008. [ Herausarbeitung des von Habermas verworfenen und destruierten, von Marx begründeten Praxiskonzepts in der Theorielinie bis hin zu Bourdieu. Mit einer Konfrontation zwischen den philosophisch-wissenschaftlichen und politischen Konzepten der Theorie des kommunikativen Handelns und einer zeitgemäßen Konkreten Praxisphilosophie als reeller Alternative. Inhaltsanzeige als IPkW-Onlinetext ]

Müller, Horst: Habermas‘ Holismusvorwurf und die Erfindung neuer Dualismen. S. 31-47 aus:  Ders., Vom Marxismus zur Konkreten Praxisphilosophie. Einführung mit Untersuchungen zu Marx, Bloch, Habermas, Mead, Bourdieu. Verlag u. Vertrieb: Helle Panke e.V., Berlin 2008. Als IPkW-Onlinetext.

Mynark, Hubertus: Der Spiegel, Habermas und der Papst. Das Neue Einvernehmen, in: Aufklärung und Kritik, 15 (2008) I, S. 20-35. Als Onlinetext.

Puke, Oliver: Zur Kritik philosophischer Unbedingtheitsansprüche: Jürgen Habermas' Transformation der kritischen Gesellschaftstheorie und die Herausforderung des amerikanischen Pragmatismus. Waxmann Verlag,  2008. [ Der Schadensfall Habermas wird im Verlauf der Untersuchung zum Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung mit der Forschungstradition des amerikanischen Pragmatismus. Eine Anatomie des progressiven Denkens in der Tradition der kritischen Gesellschaftstheorie und des amerikanischen Pragmatismus ]

Tönnies Sybille: Des Kaisers neue Kleider - keine Hommage Zum 80. Geburtstag von Jürgen Habermas. Im Deutschlandfunk, am 7.6.2009. Onlinetext unter http://www.dradio.de/dlf/sendungen/essayunddiskurs/977693/. Als Artikel in der soziologischen Zeitschrift Tönnies-Forum, 18. Jg. 2/2009, S. 26-36 [ Im Zentrum seines Werkes steht seine Diskurstheorie, die davon ausgeht, dass nicht richtig sein könne, was nicht ausreichend diskutiert und in vorgeschriebener Form beschlossen worden sei. Tönnies unterzieht jene Diskurstheorie mit ungewohnt klaren Worten einer kritischen Prüfung, wobei faule Stellen im akademischen Milieu erfreulich deutlich bezeichnet werden ]

Weckwerth, Christine: Arbeit oder gemeinschaftliche Praxis? Karl Marx im Spiegel neuerer Rezeptionstendenzen. S. 435-450 in: ZPh 56 (2008), Akademie Verlag, Berlin. [ Wie die kognitiven Lernpotenziale mit den verselbständigten Strukturen der Systemwelt zusammengeschlossen werden, um soziale Evolutionsprozesse in Gang zu bringen, bleibt unterbestimmt ]
  

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  Untersuchungen und Kritik zu Habermas
    
Berndt, Heide: Was heißt kritische Theorie der Gesellschaft heute? Keine Laudatio auf den kritischen Theoretiker Jürgen Habermas.
TAZ Nr. 2876Seite 13-14 vom 05.08.1989 Als IPkW-Onlinetext. [ Nur wer die Legitimierung von Herrschaft, nicht aber ihre Beseitigung im Sinne hat, kann sich so viele Gedanken über »Konsensbeschaffung«, »Sicherung von Massenloyalität«, »Beschaffung generalisierter Zustimmungsbereitschaft«, »Bereitschaft zur Konformität«, »motivloses Akzeptieren von Entscheidungen« als Sache »vorwurfsloser Routine« etc. machen wie Habermas ]

Böhm, Andreas: Kritik der Autonomie. Freiheits- und Moralbegriffe im Frühwerk von Karl Marx. Bodenheim 1998.

Bolte, Gerhard (Hrsg.): Unkritische Theorie. Gegen Habermas. Zu Klampen Verlag, 1989. [ Habermas gilt als Vertreter kritischer Theorie in der Nachfolge von Horkheimer, Adorno und Marcuse. Die Autoren dieses Bandes möchten diesen Irrtum ein wenig korrigieren. Sie erinnern daran, dass Habermas die wichtigsten Traditionslinien kritischer Theorie zunächst kaputt-"rekonstruiert" hat, um sie dann de facto der Vergessenheit preiszugeben ]

Claussen, Detlev: Verfassungspatriotismus, hilflose Kritik und Heimspiel für die Rechten. Aus: Detlef Claussen, Vergangenheit mit Zukunft. Über die Entstehung einer neuen deutschen Ideologie in: W. Eschenhagen (Hg.), Die neue deutsche Ideologie. Einsprüche gegen die Entsorgung der Vergangenheit  Onlinetext auf der Hompage von Martin Blumentritt. [ Der Verfassungspatriotismus, dieses von Habermas angepriesene Positive, verschafft den Hillgruber, Stürmer, Fest und Nolte ein permanentes Heimspiel. Den Nachkriegskonsens gab es - leider - gar nicht. Sie sogenannte Vergangenheitsbewältigung war wesentlich ein Schauspiel ... Dem zugrunde lag eine gesellschaftliche und personelle Kontinuität des deutschen Kapitalismus und seiner Institutionen ]

Fleischer, Helmut: Denken in Personen- und Handlungsbegriffen. S. 93-114 in Gabriele Althaus u. Irmingard Staeuble (Hg.), Streitbare Philosophie. Margherita von Brentano zum 65. Geburtstag. Metropol Friedrich Veitl-Verlag, Berlin 1988. Als IPkW-Onlinetext. [ Plädoyer für ein Denken in Personen- und Handlungsbegriffen mit einer Probe aufs Exempel anhand der Schlussbetrachtung von J. Habermas‘ Theorie des kommunikativen Handelns ]

Fraser, Nancy: Was ist kritisch an der Kritischen Theorie? Habermas und die Geschlechterfrage, S. 173-221 in: Nancy Fraser, Widerspenstige Praktiken, Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 1994 (es 1726)

Fuchs, Christian: Technik als Ideologie bei Jürgen Habermas. Auf der Homepage von Christian Fuchs. [ Habermas setzt nicht nur System und Lebenswelt entgegen, sondern treibt diese Dichotomisierung noch weiter: Er ordnet dem System die Technik zu und der Lebenswelt die Kommunikation. Er lehnt einen dialektischen Technikbegriff im Sinn von Marx oder Marcuse ab. Jedes Sprechen über Alternativen und Utopien erledigt sich für ihn ]

Haasis Hellmut G.: Orientierungslosigkeit als Abgesang der Frankfurter Schule. Zu Jürgen Habermas' Rechtsdogmatik. Als Onlinetext.

Habermeier, Rainer: Die Marxismus-Kritik des frühen Habermas. S. 135-152 in: Hitotsubashi Journal of Social Studies 25 (1993). Als Onlinetext der Hitotsubashi University.

Heming, Ralf: Öffentlichkeit, Diskurs und Gesellschaft: Zum analytischen Potential und zur Kritik des Begriffs der Öffentlichkeit bei Habermas. Dt. Univ.-Verl., Wiesbaden 1997.

Henning, Christoph: Jürgen Habermas oder die Rückkehr der Philosophie des Rechts. Kapitel 3 Abschnitt 3.1, S. 411-461 in: Philosophie nach Marx: 100 Jahre Marxrezeption und die normative Sozialphilosophie der Gegenwart in der Kritik. transcript Verlag, 2005 [ Die exemplarische Analyse heutiger deutscher Sozialphilosophie beginnt mit einer Kritik von Habermas als der direkten Fortsetzung der Kritischen Theorie. Habermas teilt deren Problematik, eine mit der Basis unverbundene ethisierende Überbautheorie nicht mehr mit Theorien über die Basis verbinden (begründen) zu können. Er transformiert diese Aporie durch mehrere Theoriemoden hindurch bis hin zur normativistischen, nur noch ethischen Sozialmetaphysik. Zum Abschluss ein Vergleich mit den Marxschen Konzeptionen von Ethik und Recht ]

Jäger, Michael: Habermas dixit. Menschenrechte - was der Mensch tun sollte, aber nicht tut. Freitag, 07. Mai 1999. Als Onlinetext der Wochenzeitung Freitag [ Jürgen Habermas hat den NATO-Krieg gegen Jugoslawien gerechtfertigt, obwohl kein UNO-Mandat vorliegt ]

Keulartz Jozef: Die verkehrte Welt des Jürgen Habermas. Hamburg 1995.

Kofler, Leo: Ein vulgo-sophistischer Denker. Über Jürgen Habermas. S. 2-5 in: Information Philosophie, Nr. 2, März/April 1977. Als IPkW-Onlinetext [ Diese Beispiele mögen genügen, um die vulgo-sophistische Denkweise von Habermas zu belegen ]

Liesegang, Torsten: Öffentlichkeit und öffentliche Meinung. Theorien von Kant bis Marx (1780-1850). Königshausen & Neumann. 2004.

Lorenzer, Alfred: Symbol, Interaktion und Praxis, in: Busch G. (Red.), Psychoanalyse als Sozialwissenschaft. Frankfurt/M. 1971.

Maschke, Günther: Wer Menschheit sagt, ... ... will betrügen. Jürgen Habermas, Präzeptor und Gouvernante, wird 75. Junge Freiheit 26/04 18. Juni 2004. Als Junge Freiheit Onlinetext. [ Je weiter er sich vom Marxismus entfernte, weil er dessen Schwächen und Leerstellen bemerkte, desto schlingpflanzhafter und schablonenartiger wurde seine Sprache, die in seinem wichtigsten Spätwerk einen monströs zu nennenden Jargon aufwies. Parallel dazu wuchs sein internationaler Ruhm ]

McBride William: Habermas and the Marxian Tradition. S. 425-437 in: Hahn, Lewis Edward (Ed): Perspectives on Habermas, Illinois 2000. [ ! ]

Müller, Horst: Kritische Theorie und revolutionärer Humanismus. In: Universitas. Zeitschrift für Wissenschaft, Kunst und Literatur. 41. Jahrgang Nr. 477, Februar 1986. S. 153-163. Als IPkW-Onlinetext. [ Kern des Koflerschen Denkens im Gegensatz zur Frankfurter Schule ]

Müller, Horst: Der PRAXIS-theoretische Ansatz von G. H. Mead. Als IPkW-Onlinetext. [ Wider die intersubjektivitätstheoretische Vereinnahmung eines großen Denkers ]

Müller, Horst: Marx, Mead und das Konzept widersprüchlicher Praxis. Anti-Habermas. Als IPkW-Onlinetext. [ Schlusskapitel aus Horst Müller, Praxis und Hoffnung (1986).  Konstitutionstheorie der Philosophie der Praxis, eine Synthese von Marx und Mead ]

Müller, Horst: Praxisphilosophie oder Intersubjektivitätstheorie? Replik zur Erhellung eines philosophischen Grundlagenproblems. Als IPkW-Onlinetext. [ Gegen Axel Honneths Entstellung und Missinterpretation des praxisphilosophischen Ansatzes in Marx' frühen Schriften ]

Negt, Oskar (Hg.): Die Linke antwortet Jürgen Habermas. Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1968. [ Stellungnahmen aus der Außerparlamentarischen Opposition zu Habermas Thesen: Die Scheinrevolution und ihre Kinder. Sechs Thesen über Taktik, Ziele und Situationsanalysen der oppositionellen Jugend ]

Okochi Taiju: Objektivität der Welt und Intersubjektivität der Verständigung. Habermas' neuere Auseinandersetzung mit Hegel. S. 33-41 in: Hitotsubashi Journal of Social Studies 38 (2006). Als Onlinetext der Hitotsubashi University.

Ottomeyer, Klaus: Soziales Verhalten und Ökonomie im Kapitalismus. Vorüberlegungen zur systematischen Vermittlung von Interaktionstheorie und Politischer Ökonomie, insbes. Abschnitt I. Kritik des Verhältnisses von Arbeit und Interaktion bei Jürgen Habermas. Focus Verlag, Gießen 1976. Als Onlinetext bei trend infopartisan. Auch als Onlinetext im Kritiknetz.

Petrovic, Gajo: Die Bedeutung der Frankfurter Schule heute,  S. 13-24 in: Honneth, Axel /Wellmer, Albrecht (Hrsg.): Die Frankfurter Schule und die Folgen. Referate eines Symposiums der Alexander-von-Humboldt-Stiftung 1984. Walter de Gruyter, New York 1986. [ Grundmängel und Scheitern des Projekts. Ferner zu Habermas: Gajo Petrovic, Philosophie und Revolution. Kap. 1, Teil 2. S. 31-39 Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1971 (rde 363) ]

Petrovic, Gajo: Die Frankfurter Schule und die Zagreber Philosophie der Praxis, S. 59-85 in: Honneth, Axel /Wellmer, Albrecht (Hrsg.): Die Frankfurter Schule und die Folgen. Referate eines Symposiums der Alexander-von-Humboldt-Stiftung 1984. Walter de Gruyter, New York 1986. Als IPkW-Onlinetext. [ Die Frankfurter Theoretiker waren an keiner rationalen Diskussion oder Auseinandersetzung mit den Praxis-Philosophen interessiert. Durch kurze Nebenbemerkungen versuchten sie die Zagreber Philosophie der Praxis als eine nichtoriginelle und nichtaktuelle Erscheinung abzustempeln, als ob es ihnen nur darum ginge, vom Studium der entsprechenden Werke abzuraten ]

Postone, Moishe: Habermas' Kritik an Marx, S. 345-393 in Moishe Postone: Zeit, Arbeit und gesellschaftliche Herrschaft. Eine neue Interpretation der kritischen Theorie von Marx. ca ira-Verlag, Freiburg 2003. Buchanzeige des ca ira Verlags.

Ropohl, Günter: Eine Systemtheorie der Technik. Zur Grundlegung der allgemeinen Technologie. Hanser Verlag, München 1979, S. 107-108. Neuauflage 1999 [ Auch Technik ist kommunikatives Handeln und die dogmatische Trennung von kommunikativer und instrumenteller Vernunft Unsinn ]

Rehbein, Boike: Habermas und Bourdieu. Aufsatz, Freiburg im Breisgau 2006. Als Onlinetext des Social Science Open Access Repository (SSOAR) [ Die Theorien von Habermas und Bourdieu sind unvereinbar. Dennoch teilen sie dasselbe Ideal von Wissenschaft als einem herrschaftsfreien Diskurs. Das Ideal impliziert den Glauben an einen Erkenntnisfortschritt, den beide unbegründet voraussetzen. Die Diskussion über das Ideal von Wissenschaft und seine Begründung könnte eine Brücke schlagen ]

Roderick, Rick: Habermas und das Problem  der Rationalität. Eine Werkmonographie. Argument-Verlag, Hamburg 1990.

Seppmann, Werner: Dialektik der Anpassung. Zur Kritik an Jürgen Habermas, in: Sozialismus Heft 2, 1990.

Tomberg, Friedrich: Habermas und der Marxismus. Zur Aktualität einer Rekonstruktion des Historischen Materialismus. Königshausen & Neumann, 2003 [ Habermas' ambivalentes Verhältnis zu Theorie und Praxis des Marxismus. Perspektiven für eine aktuelle Anknüpfung an die durch Hegel und Marx, aber auch durch Kant repräsentierte Theorietradition ]

Tuschling, Burkhard: Die 'offene' und die 'abstrakte' Gesellschaft. Habermas und die Konzeption von Vergesellschaftung der klassisch-bürgerlichen Rechts- und Staatsphilosophie. Argument-Sonderband AS 25/26, Berlin 1978. Darin Erkenntnis und Interesse. Zur Entwicklung des Habermasschen Denkens als IPkW-Onlinetext. [ Scheitern von Habermas' Versuch, in Erkenntnis und Interesse eine Grundlegung der Gesellschafts- oder auch Erkenntnis-Theorie zu leisten ]

Weiß, Johannes: Verständigungsorientierung und Kritik. Zur ,Theorie des kommunikativen Handelns' von Jürgen Habermas. In: KZfSS, H. 1, Jg. 35, 1983: S. 108-120.

Rockmore, Tom: Habermas on Historical Materialism. Indianapolis 1989.

Rüddenklau, Eberhard: Gesellschaftliche Arbeit oder Arbeit und Interaktion? Zum Stellenwert des Arbeitsbegriffes bei Habermas, Marx und Hegel. Frankfurt am Main / Bern 1982. Europäische Hochschulschriften, Reihe 20: Philosophie Bd. 82

Schmied-Kowarzik: Emanzipation, in: Enzyklopädie Philosophie, hg. v. Hans Jörg Sandkühler, Hamburg (Meiner) 1999, Bd. 1, S. 298-303. 

Sensat, Julius: Habermas and Marxism. Sage 1979.

Willms, Bernard: Kritik und Politik. Jürgen Habermas oder das politische Defizit der Kritischen Theorie. Frankfurt am Main 1973. [ ! ]
     

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