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| Auf dieser Webseite: Es werden spezielle Marx-Interpretationen und Marxismus-Diskussionen, insbesondere Debatten pro und contra Marx, zu einzelnen Marxismusdenkern und zum Thema Marxismus und Sozialismus dokumentiert. Verwandte Themen:
Marxismus Diskussion ist Teil des
Forum für Marx und Marxismus. |
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| marxismusdiskussion 2010 | ||
| Grundlegendes zur Marxforschung und Marxinterpretation | ||
| Elbe, Ingo: Marx im Westen. Die neue Marx-Lektüre in der Bundesrepublik. Dazu die Veröffentlichungsanzeige und eine Rezension von Christoph Henning bei H|Soz|o|Kult. Rolf Hecker: Marx als Denker. Neue Forschungsergebnisse zu Werk und Biografie seit 1990. Pankower Vorträge, Heft 116. Herausgegeben von Helle Panke e.V., Berlin 2008. Dazu der Beitrag von Rolf Hecker, Marx mit der MEGA neu lesen. Henning, Christoph: Philosophie nach Marx. 100 Jahre Marxrezeption und die normative Sozialphilosophie der Gegenwart in der Kritik. transcript-verlag, Bielefeld 2005. Verlagsanzeige mit Leseprobe. Dazu die Rezension von Martin Eichler in: Kritikon, 10.07.2009. Hoff, Jan: Marx global. Zur Entwicklung des internationalen Marx-Diskurses seit 1965. Akademie Verlag, Berlin 2009. Veröffentlichungsanzeige beim Akademie Verlag. Rezension von Ingo Elbe in Z - Nr. 80 Dezember 2009, S. 190-192. Mehrteilige Blog-Notizen von Erio. Ferner die Besprechung von Ingo Stützle in der Zeitschrift Widerspruch/Zürich Nr. 57, 2. Hj. 2009, S. 195-197. Hubmann, Gerald: Referenz und Maßstab emanzipativen Denkens. Karl Marx in neuen Textausgaben und Einführungen. S. 789-201 in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie (DZPh), 56 Jg. 2008 Nr. 5, Akademie Verlag, Berlin. Marcel van der Linden / Karl Heinz Roth unter Mitarbeit von Max Henninger (Hg.): Über Marx hinaus. Arbeitsgeschichte und Arbeitsbegriff in der Konfrontation mit den globalen Arbeitsverhältnissen des 21. Jahrhunderts. Verlag Assoziation A, Berlin 2009. Dazu die Veröffentlichungsanzeige des Verlags und die TAZ-Besprechung Aus dem proletarischen Multiversum, am 19.12.2009. Ferner: Besprechung des Sammelbandes von Max Henninger in der Zeitschrift Widerspruch/Zürich Nr. 57, 2. Hj. 2009, S. 189-194. Besprechung im Argument 286, Heft 2/2010, s. 273-275. Reitter, Karl: Kritische Bemerkungen zum Marxverständnis von Marcel van der Linden und Karl Heinz Roth. S. 49-53 in: Grundrisse - Zeitschrift für linke Theorie & Debatte, März 2010. Als Onlinetext der Zeitschrift grundrisse. [ Treffende Zurückweisung des Über Marx hinaus, was sich als weg von Marx ins Abseits erweist ]
Müller, Horst: Vom Marxismus zur Konkreten
Praxisphilosophie. Einführung mit Untersuchungen zu Marx, Bloch, Habermas,
Mead, Bourdieu.
Herausgeber und Vertrieb: Helle Panke e.V.:
Philosophische Gespräche Heft 12,
Berlin 2008. |
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| Diverse Beiträge zur Marxismusdiskussion | ||
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Verschiedene Autoren: Marx! PROKLA Heft 159. Verlag Westfälisches Dampfboot, im Juni 2010. [ Der Anspruch des Heftes: Mit Hilfe von Marx’ Theorien gegenwärtige Entwicklungen begreifen, dabei Schwächen, Leerstellen oder Sackgassen dieser Theorie und der von ihr angeregten Debatten oder auch fruchtbaren Anschlusspunkte an andere kritische Theorien zu benennen ] |
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| marxismusdiskussion 2009 | ||
| Forschung und Diskussion auf Grundlage neuester Editionen | ||
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Internationale wissenschaftliche Konferenz 27.-28. November 2009 Marx mit der MEGA neu lesen RLS, Marx-Gesellschaft e.V., Verein zur Förderung der MEGA-Edition e.V. bei der RLS, Berlin Programm der Konferenz Marx neu lesen
Hecker, Rolf: Marx mit der MEGA neu lesen. Zum 190.
Geburtstag des Klassikers. In: junge welt
vom 05.05.2008, S. 10.
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| Dialektisches Praxisdenken oder historische Sozialwissenschaft | ||
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Müller, Horst: Die Marxsche Wissenschaftlichkeit: Dialektisches Praxisdenken oder nur „historische Sozialwissenschaft“? Besprechung zu Urs Lindner: Materialismus der Praxis und historische Sozialwissenschaft. Zur doppelten wissenschaftsgeschichtlichen Bedeutung von Karl Marx. Nürnberg 2009. Als IPkW-Onlinetext.
Lindner, Urs:
Materialismus der Praxis und historische Sozialwissenschaft. Zur
doppelten wissenschaftsgeschichtlichen Bedeutung von Karl Marx. S. 27-53 in:
Urs Lindner / J. Nowak / Pia Paust-Lassen (Hg.): Philosophieren unter
anderen. Beiträge zum Palaver der Menschheit. Frieder Otto Wolf zum 65.
Geburtstag. Westfälisches Dampfboot, Münster 2008. Als
Onlinetext der Rote-Ruhr-Universität. Ders.:
Marx und die Philosophie. Zur Entstehung des Materialismus der Praxis.
Schmetterling Verlag, 2009. |
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| Marxismusdiskussion angesichts der Wirtschafts- und Systemkrise | ||
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Ertugrul Ali-Tonguc / Karaboga Murat: Marx neu entdecken? Marx-Veranstaltungen an bundesdeutschen Universitäten. In: Zeitschrift Z - Nr. 77, 20. Jahrgang März 2009. Bude, Heinz (Veranstalter): Marx. Ein toter Hund? Konferenz Marx-in-Kassel, Februar 2009. [ Philosophisch-wissenschaftliche, gesellschaftswissenschaftliche und politisch-ökonomische Fragen. Dazu auch Bude, Heinz: Wie weiter mit Karl Marx? Hg. v. Hamburger Institut für Sozialforschung ] Zizek,
Slavoj: Auf verlorenem Posten. Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 2009.
[
Plädoyer
gegen jede Spielart des demokratischen Liberalismus und für eine zweite
Chance eines autoritären Kommunismus. Im zweiten Teil
Auseinandersetzung mit unterschiedlichen linken Positionen,
u.a. Giorgio Agamben, Ernesto Laclau und Chantal
Mouffe, Simon Critchley, Antonio Negri. Rezension in der
SZ/Literatur am 4. November 2009 ]. |
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| kapitalanalyse und neue marxlektüre (2008) | ||
| Aktuelle Kapitalanalyse und deren Kritik als Zirkulationsmarxismus | ||
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Hanloser, Gerhard / Reitter, Karl: Der bewegte Marx. Eine einführende Kritik des Zirkulationsmarxismus. Unrast Verlag, 2008. [ Dazu am 26.01.2009 eine Diskussionsveranstaltung der Grundrisse, Wien, mit Michael Heinrich, Nadja Rakowitz und Karl Reitter ] Reitter, Karl: Kritik als Überwindung der Donquichoterie - Zur Entfaltung der Kritik bei Marx. Referat auf dem transversal Kongress "The art of critique", 2008. Als Onlinetext bei eipcp - europäisches institut für progressive kulturpolitik. Schlosser, Robert: Rezension zu Der bewegte Marx. Eine einführende Kritik des Zirkulationsmarxismus. Als Onlinetext bei trend infopartisan. Wendt, Holger: Herrn Michael Heinrichs
Umwälzung des Marxismus.
MASH-Skript bei trend onlinezeitung. |
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| Neue Marx-Lektüre | ||
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Elbe, Ingo: Helmut Reichelt: Neue Marx-Lektüre. Zur Kritik sozialwissenschaftlicher Logik. Als Onlinetext der Rote Ruhr Uni. Hanno Pahl / Lars
Heitmann:
Kapital als Handlung und System. Fragen an Helmut Reichelt. Als
Onlinetext der Rote Ruhr Uni. |
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| zukunft des marxismusdenkens | ||
| Marxismus im 21. Jahrhundert | ||
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Müller, Horst: Karl Marx, der Marxismus und die Philosophie der Praxis. S. 179-193 in: Aufklärung und Kritik, Sonderheft 10/2005. [ Eine Stellungnahme zur Bedeutung der Marxschen Theorie in unserer Zeit und zur notwendigen Re-Konzeptualisierung der politischen Philosophie ] Als IPkW-Onlinetext. Müller, Horst: Theoretische Wurzeln und Arbeitsaufgaben des Praxiskonzepts. S. 141-164 in: Volker Caysa / Helmut Seidel / Dieter Wittich (Hrsg.): Zum philosophischen Praxis-Begriff. Die zweite Praxis-Diskussion in der DDR. Texte zur Philosophie Heft 12, Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen 2002. [ Ein Manifest der Konkreten Praxisphilosophie für eine konkret-utopische Wende der politischen Philosophie ] Als IPkW-Onlinetext. Müller, Horst: Vom Marxismus zur modernen Praxisphilosophie. Workshop der Attac-Sommerkakademie 2007, am 2. August 2007 in Fulda.
24.-25. Juni 2006 Es sprachen: Hans Heinz Holz: „Perspektiven des Marxismus“;
Wolfgang Fritz Haug: „Das axiomatische Feld eines zukünftigen Marxismus“;
Thomas Metscher: „Integrativer Marxismus“; Werner Seppmann: „Was ist
Praxisphilosophie?“; Erich Hahn: „Georg Lukacs und die ‚Renaissance des
Marxismus‘“; Karl-Hermann Tjaden: „Gibt es einen zukunftsfähigen
Marxismus?“; Robert Steigerwald: „Marxismus und Marxismen – Marxismus oder
Marxismen?“ Die Zahl der Teilnehmer, es waren 120 Alte und Junge gekommen,
zeigt, wie groß das Interesse am totgesagten Marxismus ist. |
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| marxismus und naturwissenschaft | ||
| Marxismus, Naturphilosophie und Naturwissenschaft | ||
| Zeilinger, Doris: Natur und Zukunft. Zu einem Kerngedanken der Philosophie Ernst Blochs. S. 90-93 in: Zeitschrift KOMMUNE, Nr. 4/2007. Als Onlinetext der Ernst-Bloch-Assoziation. Alan
Woods/ Ted Grant:
Aufstand
der Vernunft. Marxistische Philosophie und moderne Wissenschaft.
ProMedia Verlag, Wien 2004. [
Versuch einer kritischen
Bestandsaufnahme der modernen Naturwissenschaften. Den an sich selbst
gestellten Anspruch, eine ‚Art moderne Ausgabe der Dialektik der Natur' zu
verfassen, erfüllen sie nicht - möglicherweise auch deshalb, weil sie statt
Hegel eher Trotzki heranziehen, dessen Erläuterungen zur Dialektik
gelegentlich an altrussische Bauernweisheiten erinnern -
Utopie kreativ
im
November 2004 ] |
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| internationale marxismusdiskussion | ||
| Critique of Political Economy | ||
| Critique of Political Economy (COPE) A new, interdisciplinary, refereed journal devoted to the critique of political economy, is a project of the International Working Group on Value Theory (IWGVT). COPE seeks to challenge and break down the separation between political economy and social knowledge as a whole. Edited by Alan Freeman (University of Greenwich, UK) and Andrew Kliman (Pace University, New York, USA), with the assistance of a working editorial board, COPE will initially appear annually and be primarily an online journal. The first volume is scheduled for publication in March 2007. http://www.iwgvt.org www.copejournal.org |
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| We have to try to complete Marx's work | ||
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Lebowitz Michael A.: Beyond Capital: Marx's Political Economy of the Working Class. 2003 Any revival of the interest in Marx is not a uniform phenomenon. I think it is directly related to the revival of struggles. There is, for example, a growing interest in Marx here in Venezuela. I'm sure there is also a growing interest in the man in other parts of Latin America where the struggles are emerging and people are coming alive. Certainly, I don't see the same thing in north America and I'm sure you don't see it in the UK! But that's because the struggles are not in those places. What I hope Beyond Capital will contribute is its stress on the absolutely vital need to go back to Marx and attempt to recover him as a thinker. We need to fully understand that Marxism did not come to an end with the writing of Capital. We have to complete Marx's work, a process that begins both with what he wrote and also with what he left unfinished. So I suppose one of my hopes for the book is to help people avoid the necessity of having to struggle, as I did, through the Grundrisse or Hegel! Or, more seriously, to provide a new way of approaching Marx for people newly emerging into struggle. When people begin to fight and become more conscious of the problematic logic of capital and start looking for genuine alternatives, they should not go back to the old versions of "Marxism." They have to return to what was Marx's genuine vision, his true conception of liberation. They have to try to complete Marx's work. I hope I have emphasized that this is not some dry, academic exercise. The ultimate completion of Marx's work is to build a communist future. I hope my book can play a worthwhile role in that. Source:
Monthly Review Interview with M.A. Lebowitz |
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| rezension zur marxliteratur | ||
| Sammelrezension zu Neuerscheinungen über Karl Marx
Rezensiert für
H-Soz-u-Kult von: Postone,
Moishe: Zeit, Arbeit und gesellschaftliche Herrschaft. Eine neue
Interpretation der kritischen Theorie von Marx. ça-ira-Verlag,
Freiburg 2003 Marx ist wieder in. So sehr, dass Das Kapital demnächst sogar auf deutschen Theaterbühnen gespielt wird. Dies liegt nicht daran, dass irgendein Theoretiker seine Aktualität bewiesen hätte, sondern daran, dass die erlebte Wirklichkeit sich immer mehr dem annähert, was das kollektive Gedächtnis aus seinen einstmals viel gelesenen Schriften noch zu assoziieren vermag: mehr Armut bei mehr Reichtum, Arbeitslosigkeit, Wirtschaftskrisen, verschärfte Klassenauseinandersetzungen und dergleichen. Auch dass Marx auf dem Buchmarkt wieder gut ankommt, kann als Bestätigung seines Denkens gelesen werden: das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewusstsein (Krisen fördern Krisentheorien), und dieses Bewusstsein bewegt sich, selbst wenn es eines über Marx ist, marktförmig. In diesem Fall ist es der Markt um Aufmerksamkeit, auf dem Veteranen, die es schon immer gewusst haben, um die Hegemonie der Marxauslegung konkurrieren. Es ist für Autoren, die schon zuvor über Marx schrieben, wünschenswert, innerhalb der neuen Marxwelle als „Trendsetter“ zu erscheinen. Vor diesem Hintergrund sind im Folgenden drei Werke zu betrachten, die von Veteranen zum Thema erschienen sind: Michael Heinrich, der seit den 1980er-Jahren Aufsätze zu Marx publiziert, hat eine glänzende Einführung verfasst (2004); von Moishe Postone, der bereits in den 1970er-Jahren zu Marx hervortrat, wurde nach zehn Jahren eine vielgelobte amerikanische Dissertation übersetzt (2003), die eine neue kritische Lesart von Marx verspricht; und sogar der gar nicht Marxismus-verdächtige Jacques Derrida (2004) versucht zu zeigen, dass sein Dekonstruktivismus eigentlich schon immer Marx mitbehandelt hat. Beginnen wir mit diesem Nestor des Poststrukturalismus. Dass der inzwischen verstorbene Derrida im Jahre 1993 mit einem Buch zu Marx aufwartete (Übersetzung 1995 [1]), hat seine Leserschaft seinerzeit überrascht, war er doch in den 1960er und 1970er-Jahren berühmt geworden als ein Autor, der am Marxismus vorbei eine intellektuelle Relevanz produzierte, die radikal, aber dennoch – gerade angesichts des besonders in Frankreich erstarrten und patriarchalische Formen annehmenden Marxismus – angenehm unpolitisch war. Später hat Derrida eine ethische Wende vollzogen, hier jedoch bezieht er sich sogar affirmativ auf Karl Marx. Sein Buch hat daher eine verwunderte, ja zuweilen eine verständnislose Aufnahme erfahren: erstens, weil seine These, Dekonstruktion und Marxismus seien eigentlich stets verwandte Praxen gewesen, etwas unglaubhaft blieb, und zweitens, weil das, was er als „neue“ Marxlektüre propagierte, inhaltlich nicht recht zu fassen war.[2] Es blieb etwas undeutlich, wofür sich Derrida – jenseits der selbstverständlichen Bekundung, dass es so nicht weitergehen könne in der Welt – genau einsetzen wollte. Marxisten kritisierten das Marxbuch von Derrida besonders vehement, da Derrida sich auf Marx bezog, ohne reale politische Kämpfe anzusprechen. Zu einem englischsprachigen Sammelband mit solchen Kritiken hat Derrida im Jahre 1999 ein Vorwort verfasst, in dem er diesen Kritiken entgegentrat.[3] Eben dieses Vorwort ist fünf Jahre später im Suhrkampverlag separat erschienen und hier zu besprechen. Dieser Sonderdruck ist aus drei Gründen kein gutes Buch: erstens macht es keinen Sinn, eine Antikritik zu lesen, deren Gegenstand man gar nicht kennt. Zweitens sind die Argumente Derridas, wenn man die Kritiken an seinem ersten Marxbuch hinzuzieht, nicht wirklich überzeugend. Und drittens manövriert sich Derrida im Rahmen seines Defensivmanövers in Positionen hinein, die seinem Andenken nicht gut tun – auf das Antlitz dieses großen und höchst eigenständigen philosophischen Denkers des 20. Jahrhundert fällt durch die Publikation dieses etwas unwürdigen Schauspiels ein unnötiger Schatten. „Si tacuisses“ gilt daher nicht nur für den Autoren, sondern auch für taktvolle Rezensionen dieser Schrift. Derrida geht in diesem Buch von der Annahme aus, dass man den genauen Sinn einer Schrift – in diesem Fall seiner eigenen – durch genaue Lektüre erfassen könnte, was die Kritiker seines Buches leider nicht geleistet hätten. Das widerstreitet deutlich der „Dekonstruktion“ der Eindeutigkeit des Sinnes, mit der er bekannt geworden ist. Das neu übersetzte Buch von Moishe Postone entstammt ebenfalls einem Diskussionskontext der 1970er-Jahre. Nur muss Postone nicht beweisen, dass er dem Marxismus entstammt, denn das ist überdeutlich. Bekanntlich sind die Marxdiskussionen in den 1970er-Jahren nicht nur sehr hermetisch gewesen, vielfach waren sie auch Schauplatz für männliche Ritualkämpfe. Es war vermutlich nicht einfach, sich innerhalb dieser Szene als Autor zu behaupten; sicher auch deshalb hat sich der Feminismus daher schnell dem Zugriff des Marxismus entzogen. Postones Buch ringt noch mit diesem Problem und löst es, indem er eine „neue Interpretation“ von Marx bietet, die sich dadurch auszeichnen will, dass sie „grundlegender“ (S. 73) und „tiefer“ (S. 79, 124) ist als alle anderen. In der Tat – das sieht Postone richtig – argumentiert Marx im Kapital zunächst auf einer sehr abstrakten Ebene, um all die teilweise widersprüchlichen Phänomene des Kapitalismus theoretisch fassbar zu machen. In Postones Lesart allerdings erscheint es als Ursünde des Marxismus, dass er diese abstrakte und „tiefe“ Ebene jemals verlassen hat – jede Anwendung erscheint ihm schon als „verflacht und reduziert“ (S. 117). In der Tat hat es in der Geschichte „des“ (?) traditionellen Marxismus viele Missverständnisse gegeben. Kann die Lösung aber sein, sich auf die abstrakteste Ebene – die „Warenform“ – zurück zu ziehen, mit der Behauptung, mit ihr seien alle theoretischen Probleme bereits gelöst (S. 70, 271, 586)? Wohl kaum. Es ist daher zu fragen, welches Problem Postone auf über 600 Seiten eigentlich lösen will. Es geht um einen transzendentalen Aufweis der Bedingung der Möglichkeit von „Gesellschaftskritik“ (S. 75). Man hört als Hintergrund deutlich den Habermasschen Generaleinwand gegen marxistische Strömungen heraus, diese könnten ihre Kritik nicht „begründen“. Postone möchte eine solche Begründung liefern. Er sieht ein Dilemma darin, dass bisherige Marxismen (die für ihn unbegreiflicherweise eine Einheit bilden) sich für die Begründung ihrer Kritik auf „Seiendes“ (die Arbeit, die Technik, das Proletariat) verlassen hätten. Diese Instanzen könnten allerdings nicht über den Kapitalismus hinausweisen, da sie ja dem Kapitalismus entstammten – ein nicht ganz einsichtiges Argument. Ganz im Sinne Ernst Blochs, auf den er sich allerdings nicht stützt, sucht Postone nach der Kategorie „Möglichkeit“ (S. 68ff., 542 etc.). Genauer sucht er eine noch nicht korrumpierten Möglichkeit, mit der man den Kapitalismus „negieren“ könnte (S. 397), bzw. mit der man – was ganz und gar nicht dasselbe ist – ein kritisches Bewusstsein „begründen“ könnte (S. 73). Er findet diese Möglichkeit vor allem in ungenutzten Potentialen des Subjektes: im „produktive[n] Potential“ der Individuen (S. 70), im Wissen darum, dass „Arbeit individuell bereichernd sein“ kann (S. 71, vgl. S. 457), in einem anderen Zeiterleben (S. 443), auch im erfüllten Konsum (S. 556); kurz: in den Partien der Grundrisse, in denen Marx seine Vorstellungen einer nicht-entfremdeten Lebens- und Arbeitsweise umreißt.[4] Es ist jedoch zu fragen, ob das Abgrenzungsbestreben gegenüber dem „traditionellen Marxismus“ damit tatsächlich hinreichend eingelöst wird. Und ist diese utopisch angehauchte Vision nicht-entfremdeter Arbeit wirklich Grund (bzw. Begründung) genug, „den Kapitalismus“ in toto zu negieren? Auf beide Fragen lässt sich eine Antwort nur schwer geben, weil Postone kaum preisgibt, was genau er mit „traditionellem Marxismus“ meint und welche konkreten Phänomene des gegenwärtigen Kapitalismus er eigentlich kritisieren will. Es fehlen mit andern Worten die Vermittlungsstufen, die eine offen und unzeitgemäß vom „Wesen“ des Kapitalismus (S. 397, 463 etc.) ausgehende Grundsatztheorie mit einer Kritik tatsächlicher Entwicklungen verbinden könnte, die hier ebenfalls nur angekündigt wird. Hier nämlich hat sich einiges getan: wie Boltanski, Moldaschl und viele andere gezeigt haben, sind die Kreativitätspotentiale der Arbeit inzwischen zum großen Teil in den Produktionsprozess eingebunden worden, zumindest in der Management- und Organisations-Theorie.[5] Nicht Marx, wohl aber Postones „neue“ Interpretation dürfte daher im gegenwärtigen Kapitalismus tatsächlich ein Begründungsproblem haben, da seine Gegeninstanz nicht mehr so unbefleckt ist, wie er hoffte. Schließlich ist auch das letzte anzuzeigende Buch von Michael Heinrich in älteren Diskursen verwurzelt. Heinrich versteht es in dieser Einführung allerdings, die Leser/innen von zu vielen Detaildiskussionen freizuhalten und ihnen einen konzisen Überblick in die Kritik der politischen Ökonomie zu geben. Der Titel ist Programm – es geht nicht um eine Kritik der gegenwärtig als „neue politische Ökonomie“ auftretenden Zweige der Mikroökonomie, obwohl diese Kritik verdient hätten, sondern um die Theorien von Karl Marx. Kritik bedeutet in der Heinrichschen Lesart jedoch, dass die Marxsche Theorie nicht selbst eine politische Ökonomie ist, sondern nur die ältere politische Ökonomie und mit ihr den von ihr beschriebenen Kapitalismus kritisieren wollte (S. 27-34). Das erinnert von ferne an Postones Befürchtung, dass eine Analyse konkreter Phänomene sich bereits unrettbar in diesen verfangen und daher die transzendierende Kraft verlieren könnte. Dieses eher philosophische und philologische Marxverständnis hat schon immer mit der Frage ringen müssen, wie Kritik einer Theorie eigentlich zugleich Kritik eines Gegenstandes sein soll. Dieser schillernde „Gegenstand“ wird durch solch realidealistische Doppelkritiken merkwürdig philosophisiert. Hinzu kommt das Problem, dass ein Kritiker nicht Theorien kritisieren kann, die erst nach dessen Tod entstanden sind – es sei denn, er hätte eine eigene ökonomische Theorie zu bieten, die gegenüber späteren Theorien zu bestehen vermag und bestimmte Vorzüge aufzuweisen hat. Alle drei hier besprochenen philosophischen Marxlesarten lesen Marx jedoch nicht als Ökonomen – es gibt gute Gründe, das anders zu sehen.[6] Zum Vorteil für die Leser/innen hält sich Heinrich allerdings nicht an die versprochene Ökonomieresistenz, im Gegenteil – es gelingt ihm, die Leser/innen auf wenigen Seiten in die Grundzüge der Marxschen ökonomischen Theorie einzuweisen: von der Wertformanalyse und der Geldtheorie über Waren- und Geldfetisch, Mehrwertrate, industrielle Reservearmee und Zirkulationskosten bis hin zu Zins und Krise. Keine Einführung ist wirklich neutral, und so findet sich auch in diesem Buch ein gutes Stück „Heinrichianismus“. Das schadet dem Buch jedoch nicht, erstens weil sich Heinrich hier sehr diszipliniert, und zweitens, weil es nur von Vorteil sein kann, auch Heinrichs Positionen – etwa die „monetäre Werttheorie“ (S. 62) – kennen zu lernen. Er hätte seine eigenen Anschauungen zwar besser als solche kenntlich machen können. Aber das ist eine Kleinigkeit. Ansonsten kann man ihm zu diesem Buch nur gratulieren und demselben recht viele Leser/innen wünschen. Diese drei Bücher werden sicher nicht die letzten über das Werk von Karl Marx sein. Wer einen guten Überblick braucht – auch für Studierende –, dem sei das Buch von Heinrich empfohlen. Das Werk von Postone dürfte hingegen speziell für diejenigen von Interesse sein, die sich in binnenmarxistischen Debatten auskennen. Das Buch von Derrida schließlich sagt wenig über Marx, dafür umso mehr über Derrida aus. Es mag als Kommentar zu seinem ersten Marxbuch nützlich sein, allerdings enthebt seine Lektüre nicht der Kenntnisnahme der englischsprachigen Kritiken, auf die es eingeht. Anmerkungen:
[1] Derrida,
Jacques, Marx’ Gespenster. Der Staat der Schuld, die Trauerarbeit und die
neue Internationale, Frankfurt am Main 1995.
Diese Rezension
wurde redaktionell betreut von: Vera Ziegeldorf
ziegeldorfv@geschichte.hu-berlin.de |
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marx-revival im spiegel (2005) | |
| Marx-Revival Seit sich der Kapitalismus ungehemmt und global entfalten kann, wächst die Systemkritik wieder. Zwei Drittel der Ostdeutschen und überraschend viele Westdeutsche - 56 Prozent - sind nach einer Spiegel-Umfrage der Meinung, der Sozialismus sei "eine gute Idee, die bislang nur schlecht ausgeführt worden ist" (Nr. 34/2005). Im In- und Ausland hat die Spiegel-Titelgeschichte für Aufsehen gesorgt. Zwei Ideologie-Experten führen die Debatte nun fort: der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel und er Berliner Historiker Paul Nolte. Quellen:
Titelgeschichte im Spiegel Nr. 34 sowie Spiegel Nr. 36 v. 05.09.2005, S.
98-102. Als
Spiegel-Dossier dokumentiert. |
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philosophie nach marx (2005) | |
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Henning, Christoph: Philosophie nach Marx. 100 Jahre Marxrezeption und die normative Sozialphilosophie der Gegenwart in der Kritik. transcript-verlag, August 2005. Verlagsanzeige mit Leseprobe. Ein Auszug: ...Statt, wie so oft, unmittelbar einen neuen Marx als den „wirklichen“ zu präsentieren, zu dem man „zurück“ müsse, der aber doch wieder nur dem einen oder anderen traditionellen Verständnis entstammt, geht diese Arbeit den umgekehrten Weg einer Destruktion des Überlieferungsgeschehens. Dabei werden die verschiedenen Rezeptionsstadien als aufeinander aufbauende Auslegungen gedeutet, die aus verschiedensten, auch politischen Gründen nicht immer ins Schwarze trafen, sich aber im Laufe der Entwicklung verfestigten und weitere Interpretationen erzeugten. Marx selbst wird nur herangezogen, wenn an Knotenpunkten der Rezeptionsgeschichte eine Abweichung vom Sinn seiner Theorien zu verzeichnen ist. Da die systematischen Ausführungen zu Marx den Fluss der Entwicklung hemmen würden, sind sie in Form „systematischer Kernpunkte“ den betreffenden Kapiteln angefügt… …Das zweite und umfangreichste Kapitel dieser Arbeit gilt der sukzessiven Autodepotenzierung des theoretischen Marxismus bis zur Wende von 1989. Es will verstehen, wie ein Denken, das heute aktueller ist denn je, sich im Laufe seiner Wirkungsgeschichte derartig aufbrauchen konnte. Das Augenmerk muss speziell bei der deutschen Marxrezeption – im Marxismus und bei seinen Gegnern – auf die Vergeistigungen und Moralisierungen fallen, die die Marx’sche Theorie hier erfuhr. Marx wurde zum Philosophen, zum Moralisten, ja zum Theologen gestempelt. Die Entwicklungslinie zeigt, dass Marx ein heimliches Zentrum der Sozialphilosophie war. Die Funktion einer Marxwiderlegung oder -vermeidung war nicht immer, aber erstaunlich oft ein unausgesprochener Kern deutschen Denkens…Der zeitweiligen Erfolgsgeschichte des Marxismus als politischer Bewegung korreliert so eine „Verfallsgeschichte“ der marxistischen und auf Marx reagierenden Theorie… …Das kürzere dritte Kapitel behandelt dann die politische Philosophie der Gegenwart... Solange das deutsche Denken marxistische Gegner hatte, war es durch sie auf eine Mitberücksichtigung der sozialen Realität verpflichtet. Auch war es der marxistischen Philosophiekritik ausgesetzt, die anfragte, wie die gemachten philosophischen Aussagen überhaupt als Aussagen möglich seien….Die Wiederaneignung des Marx’schen Denkens liefert dieser Arbeit eine Folie für die Kritik an der gegenwärtigen normativen Sozialphilosophie. Darüber hinaus will sie mit dem Abschmelzen der Rezeptionsbarrieren weitere produktive Rückgriffe auf Marx ermöglichen. Das
systematische Ergebnis von Kapitel 4 schüttelt daher keine „neue
Philosophie“ aus dem Ärmel. Es versucht vielmehr eine traditionelle
Disziplin wiederzubeleben, für die die Namen von Marx und Kant seit je
einstehen: Kritik. Eine solche Kritik lässt sich nicht auf abstrakte Formeln
bringen – außer auf die, dass treffende Kritik konkret und sachhaltig sein
muss. So ist selbst die sich weltüberhoben dünkende Systemtheorie in ihren
Kernaussagen von einer bestimmten historischen Konstellation abhängig, die
seit 1989 nicht mehr gegeben ist... Genau hier, an der Frage der externen
Konsistenz, muss eine an Effektivität interessierte Kritik ansetzen. Dafür
braucht sie weniger „normative“ als vielmehr stichhaltige sachliche
Argumente. Dieses für die Reichweite der Sozialphilosophie negativ-kritische
Ergebnis macht Kapitel 4 als eine Rückbesinnung auf den Sinn der Philosophie
deutlich, wie ihn schon Kant und Wittgenstein bestimmt haben… |
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totalitäres im sozialismus (2002) | |
| Totalitärer Marxismus oder treffende Analytik des Kapitalismus | ||
Hubmann, Gerald: Rückkehr in die Philosophie? Neue Marx-Literatur, S. 445-453 in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie (DZPh) Nr. 3/2002, Akademie Verlag Berlin. Schöler, Ulrich: Eine immer noch treffende Analyse des Kapitalismus. FR-Dokumentation am 25. Mai 2002. [ Ulrich Schöler, bis 1998 Sekretär der Grundwertekommission beim SPD-Parteivorstand, zur Zeit Büroleiter von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und Privatdozent an der FU Berlin. Schöler stützt sich dabei auf seine Publikation Ein Gespenst verschwand in Europa. Über Marx und die sozialistische Idee nach dem Scheitern des sowjetischen Staatssozialismus, Bonn 1999: Eine linkssozialdemokratische Ehrenerklärung für Marx, die eben durch diese Positionierung Denkschranken aufweist ] Fleischer, Helmut / Müller, Horst / Schmied-Kowarzik,
Wolfdietrich u.a.: Karl Marx als Philosoph der menschlichen Emanzipation
und Praxisdenker. Repliken zu
Erhard O. Müller: Das Totalitäre im Sozialismus.
Als IPkW-Onlinetext. |
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