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   1863-1931

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Zitate, Publikationen, Kommentare und Links zu George Herbert Mead.

Verwandte Themen:

Dialektik und Erkenntnistheorie der Praxis: Dialektik und Erkenntnistheorie. Mead im Zusammenhang der Philosophie und Wissenschaft gesellschaftlicher  Praxis: Philosophie der Praxis. Handlungstheoretische Ansätze: Handlungstheorien. Veröffentlichungen der praxisphilosophischen Initiative: Das PRAXIS-Konzept.
    

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  George Herbert Mead zum Theorie-Praxis-Problem
  
"Allein in dem organisierten Verhalten des Menschen kann die bare Beziehung zwischen Ereignissen und Dingen in Bedeutung übergehen, und nur im Verhalten wird Ereignissen und Dingen Bedeutung verliehen." (Philosophie der Sozialität, S. 58). "Geist entsteht aus der Kommunikation durch Übermittlung von Gesten innerhalb eines gesellschaftlichen Prozesses oder Erfahrungszusammenhanges - nicht die Kommunikation durch den Geist". (Geist, Identität und Gesellschaft, S. 89). "Wir müssen Geist daher so verstehen, daß er aus dem gesellschaftlichen Prozeß erwächst und sich in ihm entwickelt, innerhalb der empirischen Matrix des gesellschaftlichen Zusammenspiels." (Geist, Identität und Gesellschaft, S. 174)

"Ich möchte die Aufmerksamkeit auf zwei voneinander unabhängige Bewegungen lenken, die sich - wie mir scheint - einer Position von strategisch wichtiger Bedeutung nähern: man könnte sie dei Objektivität von Perspektiven nennen. Diese beiden Bewegungen sind - erstens - die behavioristische Psychologie insoweit, als sie Kommunikation, Denken und inhaltliche Bedeutungen, ebenso wie die biologische Psychologie tierische und menschliche Intelligenz, untrennbar mit Natur verbindet, und - zweitens  - ein Aspekt der von Professor Whitehead vorgelegten Philosophie der Relativität." (Philosophie der Sozialität, S. 214).

"Der Begriff der Perspektive als etwas der Natur eigenes ist in gwissem Sinn ein unerwartetes Geschenk der kompliziertesten Physik an die Philosophie. Perspektiven sind weder Verzerrungen von irgendwelchen vollkommenen Strukturen noch Selektionen des Bewußtseins aus einer Gegenstandsmenge, deren Realität in einer Welt der Dinge an sich zu suchen ist. Sie sind in ihrer wechselseitigen Bezogenheit aufeinander die Natur, die die Wissenschaft kennt." (Philosophie der Sozialität, S. 215).

"Da sie über Geist oder die Fähigkeit zum Denken verfügen, sind die einzelnen Menschen in der Lage, sich sozusgen kritisch auf die organisierte Struktur der Gemeinschaft zu besinnen, der sie angehören (und aus deren Beziehung der Geist sich überhaupt erst entwickelt hat)  und diese Gesellschaftsstruktur mehr oder weniger zu reorganisieren, zu rekonstruieren und modifizieren, wie es die Anforderungen der gesellschaftlichen Evolution von Zeit zu Zeit verlangen". (Geist, Identität und Gesellschaft, S. 356)
  

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Aktualität und Perspektiven von Meads Theorie
     
Einleitung zu
Marx, Mead und das Konzept widersprüchlicher Praxis

Zur konstitutionstheoretischen Grundlegung der Konkreten Praxisphilosophie

Das Werk von Mead, der zwischen der Jahrhundertwende und seinem Tod 1931 als hegelianisch inspirierter, reformerisch gesinnter Sozialforscher an der Universität von Chikago arbeitete, ist schon unter verschiedenen Vorzeichen interpretiert und dabei in seiner grundlagentheoretischen Relevanz zunehmend entdeckt worden. Darin weitergehend möchte ich seiner Theorie neue Aspekte abgewinnen und ihr eine Schüsselfunktion zuweisen, indem ich sie in der Arbeitsperspektive einer Philosophie der Praxis und zukünftigen Wissenschaft der gesellschaftlichen Praxis untersuche. Sie soll dadurch, im Gegenzug gegen handlungs- und sozialisationstheoretische Verkürzungen, wieder stärker als auf "Praxis" zentrierter, totalitätsgerichteter Ansatz sichtbar werden. In dieser Lesart ist sie aber nicht mehr intersubjektivitätstheoretisch, für eine Theorie des kommunikativen Handelns zu vereinnahmen, sondern verweist erhellend zurück auf das ursprüngliche Marxsche Praxiskonzept und zu der daran anschließenden Traditionslinie des praxiszentrierten Marxismus bis hin zu Bloch und Lefebvre, die im engeren Kreis der gesellschaftswissenschaftlichen Diskussion kaum präsent sind.

In diesem Zusammenhang lautet die Kernfrage, ob nicht Mead das missing link der Philosophie der Praxis auf dem Wege zu einer paradigmatisch ausgeformten, modernen dialektischen Gesellschaftstheorie darstellt. Diese definitive Ortsbestimmung läßt sich für die Belange der aktuellen Diskussion zu der Streitthese ummünzen, daß nicht "praktische Intersubjektivität" (Joas), die geistige Mitte von Mead trifft, daß es eine zu zwanglose Zuschreibung ist, daß er eine "kommunikationstheoretische Grundlegung" der Sozialwissenschaft (Habermas) geleistet habe. Vielmehr ist "widersprüchliche Praxis" als Schüsselbegriff geeignet, um die Theorie von Mead mit ihren impliziten Korrespondenzen zu marxistischem Praxisdenken auf produktive Weise zu interpretieren. Ich möchte zeigen, daß diese Interpretation die überkommene Marxorthodoxie sprengt und zur Lösung philosophisch-wissenschaftlicher Probleme heute beiträgt.

Die Theorie von Mead ist geeignet, die Austragung der Konfrontation zwischen dem Materiellen und dem Mentalen, der Subjektivität mit der gesellschaftlichen Praxis, der gemeinsamen Lebenswelt mit dem unabdingbaren Widerspruch, kurz, des Spannungsverhältnisses zwischen Praxis und Intersubjektivität entscheidend voranzubringen. Was in dieser lange währenden Konfrontation eigentlich verhandelt wird, ist über die Frage nach dem grundlagentheoretischen Stellenwert von "Handlung" oder "Praxis" hinaus das Problem einer integralen Theorie der Konstitution gesellschaftlicher Lebenswirklichkeit als Angelpunkt auch für die Diskussion wissenschaftlicher Methodenfragen. Um diese praxiswissenschaftliche Arbeitsperspektive verdeutlichen zu können, sollen in den folgenden Hauptabschnitten, schrittweise aufbauend, konstitutionstheoretische Konvergenzen zwischen praxiszentriertem Marxismus und Meads universalistischer Sozialtheorie aufgedeckt werden.
    

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Veröffentlichungen von und zu G.H. Mead
  
Mead George H.: Geist, Identität und Gesellschaft. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 1975

Mead George H.:Philosophie der Sozialität. Aufsätze zur Erkenntnisanthropologie. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 1969

Joas, Hans (Hrsg.): George H. Mead. Gesammelte Aufsätze, Bd. 1 und 2. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 1987 (stw 678, 679).


Held, Tobias: Die Erkenntnistheorie von George Herbert Mead. Seminararbeit, SS 2006 an der Otto von Guericke-Universität Magdeburg. [ Mit einem Exkurs zum praxeologischen Erkenntnismodus bei Pierre Bourdieu ]. Als IPkW-Onlinetext.

Joas, Hans: Praktische Intersubjektivität. Die Entwicklung des Werkes von G.H. Mead. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 1980.

Müller, Horst: Der PRAXIS-orientierte Ansatz von G. H. Mead. Wider die intersubjektivitätstheoretische Vereinnahmung eines großen Denkers. Als IPkW-Onlinetext.

Müller, Horst: Marx, Mead und das Konzept widersprüchlicher Praxis, S. 119-138 in: Universität Bielefeld, Fakultät für Soziologie (Hrsg.). Zeitschrift für Soziologie (ZfS), Jahrgang 12, Heft 2. Enke-Verlag, Stuttgart 1983. Als IPkW-Onlinetext.

Müller, Horst: Vom Marxismus zur Konkreten Praxisphilosophie. Einführung mit Untersuchungen zu Marx, Bloch, Habermas, Mead, Bourdieu. Herausgeber und Vertrieb: Helle Panke e.V.: Philosophische Gespräche Heft 12, Berlin 2008.

Wagner, Hans-Josef: Sinn als Grundbegriff in den Konzeptionen von George Herbert Mead und Pierre Bourdieu. Ein kritischer Vergleich. S. 317-340 in: Praxis und Ästhetik. Neue Perspektiven im Denken Pierre Bourdieus. Hrsg. v. Gunter Gebauer u. Christoph Wulf. Frankfurt/M. 1993 (STW 1059).

Wittpoth, Jürgen: Rahmungen und Spielräume des Selbst. Ein Beitrag zur Theorie der Erwachsenensozialisation im Anschluß an George H. Mead und Pierre Bourdieu. Frankfurt am Main 1994. Als Onlinetext im Internet.

Wenzel, Harald: George Herbert Mead zur Einführung. SOAK im Junius-Verlag, Hamburg 1990.
     

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G.H. Mead und die Chicago School of Pragmatism
  
George's Page
Mead Project Website

Project on Department of Sociology, Brock University, St. Catharines, Ontario/Canada.
Web-based repository for documents by, about and related to the work of American pragmatist philosopher and social psychologist George Herbert Mead and others.
http://spartan.ac.brocku.ca/~lward/
  

The Chicago School
The Pragmatism Cybrary. Mead im Zusammenhang der von John Dewey begründeten Chicago School of Pragmatism.
http://www.pragmatism.org/genealogy/chicago.htm


John Dewey in Hamburg
Internetprojekt an der Universität Hamburg mit Texten und Links zu John Dewey.
John Dewey in Hamburg

  

  Whitehead
    
Pomeroy, Anne F.: Marx and Whitehead: Process, Dialectics, and the Critique of Capitalism. SUNY Press, 2004. A.F. Pomeroy is Associate Professor of Philosophy and Religion at the Richard Stockton College of New Jersey.

Whitehead, Alfred North: Prozeß und Realität. Entwurf einer Kosmologie. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1987 (stw 690).
   

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Veranstaltungen und Beiträge zu G.H. Mead
  
Zur Theorie des kommunikativen Handelns von G.H. Mead
Hinweis auf einen Lektürekurs von Andreas Hanses im WS 99/00 an der Universität Bremen,
Institut für angewandte Biographie- und Lebensweltforschung (IBL)
http://www.ibl.uni-bremen.de/lehre/lv-ws00-03.html

Mead als Intersubjektivitätstheoretiker
Veröffentlichungen von Hans Joas
Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt
http://www.uni-erfurt.de/maxwe/personen/joas/joas_publi.html


Die Konzeption George Herbert Meads und ihre Implikationen für eine Sprachtheorie
Beitrag von Robert Hagen, FU Berlin
http://userpage.fu-berlin.de/~hagen66/01/mead.htm


Action, Communication, and Creativity
Beitrag von Franz Ofner
Onlinetext bei praxisphilosophie.de
     

Diskussionsbeitrag zu G.H. Mead
  
Horst Müller

Karl Marx, G.H. Mead und das Konzept
widersprüchlicher gesellschaftlicher Praxis

Der Artikel "Marx, Mead und das Konzept widersprüchlicher Praxis" erschien in der Zeitschrift für Soziologie, Jahrgang 12, Heft 2, im April 1983. Es handelt sich um eine überarbeitete Fassung des entsprechenden Schlußkapitels aus "Praxis und Hoffnung". Der Text wird hier in leicht gekürzter Form zugänglich gemacht, vor allem ohne die umfangreichen einzelnen Literaturverweise, welche die Lesbarkeit erschweren konnten.

Es handelt sich nicht nur um die bislang einzige praxisphilosophische Interpretation der Theorie von G.H. Mead, sondern um eine systematische Skizze des grundlagentheoretischen Ausgangspunktes der Konkreten Praxisphilosophie . Der Artikel weist ein zentrales Stück der Habermasschen "Theorie des kommunikativen Handelns" samt deren Vor- und Nacharbeiten im etablierten Habermaskreis (Joas, Honneth) als Mißinterpretationen auf. Über Gefälligkeitsgutachten wie jenes, Mead sei bedeutendster "lntersubjektivitätstheoretiker zwischen Feuerbach und Habermas", sollte doch noch einmal gründlicher nachgedacht werden. Es soll hier auch jene akademische Borniertheit zurückgewiesen werden, die es sich erlauben zu können glaubt, in der philosophisch-wissenschaftlichen Grundlagendiskussion den Beitrag von Ernst Bloch zu ignorieren.

Die hier vorgestellte Streitschrift zeigt auf, daß "praktische Intersubjektivität" (Joas) nicht als Schlüssel zu Meads Konzept angesetzt werden sollte: Grundbegrifflich impliziert dieser Ausdruck eine pragmatistische Verkürzung von "Praxis" und schneidet damit den philosophisch und gesellschaftswissenschaftlich immer noch unausgeschöpften Sinnhorizont der zentralen Kategorie ab. Zugleich wird "Praxis", das Integral der menschlichen Lebenswirklichkeit, durch neue Dualismen substituiert und unter der Hand gegen die ominöse Instanz einer "Intersubjektivität" ausgetauscht. Dadurch wird vor allem die unabdingbare "Perspektivität" alias "Widersprüchlichkeit" der Praxis, im Grunde das Erbe der kritischen Philosophie, systematisch zurückgedrängt und gerät aus dem Blickfeld.

Die philosophische und wissenschaftliche Kern- und Streitfrage, um die derart gerungen wird, lautet: Praxis oder Intersubjektivität? Die praxisphilosophische Interpretation von Meads Theorie wendet sich gegen deren kommunikations- und   intersubjektivitätstheoretische Vereinnahmung und führt ihre kohärente Kerngestalt vor. Der Untersuchung liegt ein Fragespektrum zugrunde, das sich von der Handlungs- und Erkenntnis- bis zur Evolutionstheorie erstreckt. Auf allen konstitutionstheoretischen Ebenen enthüllen sich Konvergenzen zwischen Meads universalistischer Theorie und dem praxiszentrierten Marxismus. Es kristallisiert sich "widersprüchliche Praxis" als gemeinsamer Schlüsselbegriff für eine dialektische, integrale Theorie der Konstitution gesellschaftlicher Lebenswirklichkeit. Mit Mead als "missing link" zeichnet sich die Möglichkeit ab, Konstitutions- und Methodenprobleme korrelativ zu behandeln und auf dem Weg zu einer analytisch leistungsfähigen, utopisch-kritischen Wissenschaft gesellschaftlichen Praxis fortzuschreiten.

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Diskussionen zum Symbolischen Interaktionismus
  
Brumlik, Micha: Der symbolische Interaktionismus und seine pädagogische Bedeutung. Versuch einer systematischen Rekonstruktion. Fischer Athenäum Taschenbuch Verlag, Frankfurt/M. 1973.

Brumlik, Micha: Symbolischer Interaktionismus, S. 232-245 in: Lenzen D./Mollenhauer K. (Hrsg.), Enzyklopädie Erziehungswissenschaft Band 1. Theorien und Grundbegriffe der Erziehung und Bildung. Klett-Cotta, Stuttgart 1983. 

Ottomeyer, Klaus: Soziales Verhalten und Ökonomie im Kapitalismus. Vorüberlegungen zur systematischen Vermittlung von Interaktionstheorie und Kritik der politischen Ökonomie. Focus-Verlag, Gießen 1976.

Paris, Rainer: Schwierigkeiten einer marxistischen Interaktionstheorie. Anmerkungen zu einem Programm der Vermittlung von Kritik der politischen Ökonomie und Interaktionstheorie, in: Gesellschaft. Beiträge zur Marxschen Theorie 7. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 1976 (es 827).
  

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