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Auf dieser Webseite: Für interessierte Einsteiger, insbesondere für Studierende soll anhand von Literatur, Thesen und Erläuterungen ein Einstieg zum Thema Marxismus und Praxisphilosophie geboten werden. Einige schwer erhältliche Texte können aufgerufen werden. Verwandte Themen:
Webseite zur Praxisphilosophie
mit Hinweisen zu Geschichte, Quellen, Foren und Diskussionen:
Philosophie der Praxis.
Praxisphilosophische Studien für Fortgeschrittene:
Hauptkurs Praxisphilosophie. |
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| Einführung in die Philosophie der Praxis | ||
| Lexikalisches Stichwort Praxisphilosophie Das Stichwort Praxisphilosophie in der Online-Enzyklopädie Wikipedia, über den Link http://de.wikipedia.org/wiki/Praxisphilosophie, vermittelt einen ersten Überblick über die theoriegeschichtliche Entwicklung, die Protagonisten und wichtige Textgrundlagen. Grundlagenarbeit zur Philosophie der Praxis
Die umfangreiche Ausarbeitung
von
Horst Müller:
Vom Marxismus zur Konkreten Praxisphilosophie. Einführung
mit Untersuchungen
zu Marx, Bloch, Habermas, Mead, Bourdieu
(68 S.) bietet eine in dieser Art bisher nicht vorliegende
Einführung in die Philosophie und Wissenschaft gesellschaftlicher Praxis, in
deren Denkgeschichte, Grundauffassungen und aktuelle Perspektiven. Herausgeber
und Vertrieb: Helle Panke e.V., Publikationsreihe
Philosophische
Gespräche Heft
12, Berlin 2008 ( 68 S. / 3 € ) |
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| Ein Schulreferat zum Thema Marx | ||
| Marxismus – und die Idee dahinter Das Marxsche Werk wurde zu einem geistesgeschichtlichen Ereignis, weil damit eine grundsätzlich neue Sichtweise auf unsere Lebenswirklichkeit und die Geschichtlichkeit alles gesellschaftlichen Lebens in die Welt kam. Religiöse Weltdeutungen wurden als irdische Projektionen entschlüsselt und sonstige idealistische, politische oder andere Interpretationen des Menschen, der Gesellschaft und Geschichte wurden zurückgewiesen. An ihre Stelle trat eine Auffassung von der praktischen Existenzweise des Menschen, der materiellen Reproduktionsweise als der Basis und bestimmten geschichtlichen Prägungsmacht des gesellschaftlichen Lebens sowie der Geschichte als einer auch heute noch unabgeschlossenen Abfolge von Gesellschaftsformationen. Einen ersten konzentrierten Ausdruck der neuen Auffassungen vermittelt das berühmte Feuerbach-Kapitel der Deutschen Ideologie, ein von Marx selbst zu Lebzeiten nicht veröffentlichtes und uns gerade wegen seiner Unfertigkeit inspirierendes Manuskript. Die philosophische Kernidee, die sich im Marxschen Schaffen und Wirken ausdrückt, ist eine theoriegeschichtlich völlig neue Philosophie und Wissenschaft gesellschaftlicher Praxis. Diese Idee hat einen telegrammstilartigen Ausdruck in den berühmten 11 Thesen ad Feuerbach gefunden, deren Interpretation daher bis heute immer neu versucht wird und umstritten ist. Es ist eine nur mehr oder weniger deutlich kenntliche Konzeption, die Marx aber nicht ausdrücklich ausgearbeitet hatte, sondern die sich in seiner humanen Grundintention, in seinem umfänglichen praktischen Mitwirken im Zusammenhang der Arbeiteremanzipationsbewegung seiner Zeit und in seiner theoretischen Gesamtarbeit ausdrückt. Theoretiker wie Antonio Gransci, Herbert Marcuse oder Ernst Bloch knüpften daran an. In neuerer Zeit zeigte sich auch der Soziologe Pierre Bourdieu davon inspiriert.Marx ging davon aus, dass die bestimmte Art und Weise, wie das Wirtschaftsleben geprägt ist bzw. sich vollzieht, das gesellschaftlich und politisch letztlich Entscheidende ist. Seine Wirtschaftstheorie nennt sich Kritik der politischen Ökonomie, weil das bestehende Wirtschaftssystem eben auch die gesellschaftlich-politische Grundordnung bestimmt und weil es ihm zunächst auf eine radikale Kritik der kapitalistischen Grundordnung ankam. In allgemeiner Hinsicht erkannte er, dass in der beginnenden industriekapitalistischen Epoche nicht die Menschen ihren Produktions- und Lebensprozess bestimmen, sondern dass ihnen in erster Linie dieser Prozess sozusagen über den Kopf wächst, sich mehr oder weniger verselbständigt und durch bestimmte undurchschaute Konsequenzen auch gegen sie kehrt. Die im Ansatz erkannte Entfremdung des Menschen in der kapitalistischen Gesellschaftsverfassung wurde dann durch eine diffizile ökonomische Analyse deutlicher sichtbar gemacht: Aus einer außerordentlich gründlichen Auseinandersetzung mit den bedeutendsten Ökonomen seiner Zeit deckte Marx einen entscheidenden Denkfehler auf und fand heraus, dass der Mehrwert oder Profit, den der kapitalistische Eigentümer sich wie selbstverständlich aneignet, aus Mehrarbeit der angewandten Lohnarbeit entsteht. Das heißt, die Loharbeiter schaffen in einem bestimmten Teil der täglichen Arbeitszeit ihren eigenen Konsumtionsfonds und in der restlichen Arbeitszeit sowohl die Konsumgüter für die Klasse der Eigentümer wie die Produktionsmittel, die zur Erweiterung der Produktionsmittel eingesetzt werden. Der Clou der Kapitalanalyse, die in 3 Bänden und umfangreichen Manuskripten nur fragmentarisch hinterlassen wurde, besteht darin zu zeigen, dass in dieser Reproduktionsordnung einer Verwertungsökonomie die ständige Akkumulation und letztlich Expansion der industriewirtschaftlichen Kapazitäten, der Produktion und des Konsums von Warenprodukten eine Art Zwangsgesetz darstellt, dem man sich nicht entziehen kann. Marx erkannte schon zu seiner Zeit, dass diese janusgesichtige Produktionsweise – sie erzwingt einerseits einen zivilisatorischen Fortschritt, bringt aber damit zugleich enorme destruktive Auswirkungen mit sich - sich einmal weltweit durchsetzen, den Weltmarkt schaffen würde. Aber der vorausgesagte weltweite Siegeszug des Kapitalismus ändert nichts daran, dass er auf fundamentalen Ungleichheiten und auf gesellschaftlichen Gegensätzen beruht, dass die mit ihm durchgesetzte produktivistische und konsumistische Ordnung letztlich kein befriedetes Leben ermöglicht oder sogar in der imperialistischen Zeit der globalen Expansion der Kapitalmächte zu Kriegen und einer globalen Naturzerstörung führt. Auch von der fortschreitenden Ausplünderung und Zerstörung der Naturgrundlagen durch die kapitalistische Produktionsweise hatte er schon eine erstaunlich bestimmte Auffassung. Marx bemühte sich herauszufinden, wo diese überwältigende Produktionsweise besondere Probleme und damit auch Widerstand oder politische Reaktionen hervorruft, die letztlich eine Überwindung der alten Ordnung ermöglicht. Die Erwartung war, dass zum Beispiel wegen dem ständigen Druck zur Verschlechterung der Lebenslage der arbeitenden Klassen, wegen dauernder Massenarbeitslosigkeit, aus periodischen Wirtschaftskrisen und politischen Konflikten und Kriegen eine Bewegung der arbeitenden Klassen entsteht, die letztlich imstande sein könnte, die Staatsmacht zu erobern und eine neue Ordnung zu errichten. Diese Idee hat ihren konzentrierten Ausdruck im Kommunistischen Manifest gefunden. An die Pariser Kommune hat Marx noch einmal revolutionäre Hoffungen geknüpft, die sich aber letztlich so nicht erfüllt haben. Marx war mit seinem groß angelegten theoretischen Projekt und seinen Erwartungen und Hoffnungen ein Kind des 19. Jahrhunderts. Er hat erstaunlich tiefsinnig und weitsichtig bestimmte Grundprobleme unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung analysiert und stets die Hoffnung auf eine ganz andere, menschlichere, solidarischere, ökologische und befriedete Lebensweise genährt. Aber er hat für den Sozialismus kein Rezept oder kein konkreteres Programm hinterlassen. Letztlich war der Kapitalismus und waren die herrschenden Klassen stets stärker als die Arbeiterbewegung oder die sozialistische Bewegung. Im Rückblick auf die Zeit zwischen der von Lenin geführten Oktoberrevolution von 1917 und den Zusammenbruch des sowjetischen Blocks 1989 wird auch deutlich, dass der sogenannte Realsozialismus eine deformierte gesellschaftliche Sondererscheinung darstellte, einen Seitenzweig der Geschichte, der in Sackgassen endete. Der dort kultivierte Dialektische Materialismus war eine Dogmensammlung, welche die marxsche philosophisch-wissenschaftliche Idee verballhornte. Die politischen Ordnungen hatten mit der Marxschen Idee einer Solidargemeinschaft freier gesellschaftlicher Individuen nichts zu tun sondern waren unfrei und teils unverhüllt diktatorisch. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass viele Versuche zu einem freiheitlichen Sozialismus zu gelangen, von der Gegenseite blutig niedergeschlagen wurden. Die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, der spanische Bürgerkrieg, der vom CIA unterstützte Militärputsch gegen die Regierung von Salvador Allende, die Niederschlagung des Prager Frühlings usw. zeugen von einer blutigen Kriegführung gegen alle Ansätze eines freiheitlichen Sozialismus. Mit dem Zusammenbruch der pseudo-sozialistischen Gesellschaftsexperimente und dem Eintritt ins 21. Jahrhundert sind wir in eine neue historische Epoche eingetreten, die man vorläufig als die Zeit der neoliberalen Globalisierung bezeichnet. Im Sinne der Marxschen Idee, das keine Gesellschaftsformation ewig besteht, kann man sagen, dass die kapitalistische Formation alt geworden ist – die Anfänge liegen im 16. Jahrhundert, der große industrielle Entwicklungssprung geschah im 19. Jahrhundert, die rettungslos vergangene Wirtschaftswunder-Blütezeit ist eine Erscheinung der Vergangenheit, der Mitte des 20. Jahrhunderts. Kommt also etwas neues in Sicht?
In unserer Zeit der verschärft
kapitalistischen, das heißt marktradikalen, neoliberalen Globalisierung
zeigen sich viele Prekaritäten und Tendenzen des
gesellschaftlichen Lebens, die Marx schon kritisiert hat, erneut in
verschärfter Weise. Von daher sind viele Menschen auf der Suche nach einer
Alternative oder konkreten Utopie. Die Losung heißt:
Eine andere Welt ist möglich. Wir stehen mitten in einer geschichtlichen
Übergangszeit voller Unsicherheit, wohin das alles führt. Marx hat nie einen
Determinismus der Geschichte behauptet. In diesem Sinne könnte im
schlechtesten Fall, wie Rosa Luxemburg bemerkte, auch eine neue Barbarei
entstehen. Auf der anderen Seite sagt die Marxsche Philosophie
und Wissenschaft gesellschaftlicher Praxis,
dass das Prinzip Hoffung nicht aufgegeben werden darf
und dass es kein sogenanntes Ende der Geschichte gibt:
Es kommt darauf an, die
Entfremdungen des eigenen Lebens zu durchschauen und die immer noch mögliche
gesellschaftliche Alternative zu eruieren, sich als emanzipierter
Mensch daran zu orientieren und an der besseren Zukunft mitzuarbeiten. Was
ist also die Idee dahinter? Nichts anderes als ein praktischer Humanismus im
Bunde mit einem höchstmöglich entwickelten Bewußtsein von gesellschaftlicher
Wirklichkeit. |
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literatur zum grundstudium |
| Zum Einstieg empfohlene Literatur | ||
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Feuerbach, Ludwig (1843): Grundsätze einer Philosophie der Zukunft. S. 247-322 in Ludwig Feuerbach Werke Bd. 3. Suhrkamp Verlag, Frankfurt a.M. 1975. Thom, Martina: Die produktiv-kritische Verarbeitung von Feuerbachs ‘Grundsätzen der Philosophie der Zukunft’ in den ‘Ökonomisch-philosophischen Manuskripten’ von Karl Marx, in: Braun, Hans-Jürg / Sass, Hans-Martin / Schuffenhauer, Werner / Tomasoni, Francesco (Hrsg.): Ludwig Feuerbach und die Philosophie der Zukunft. Akademie-Verlag, Berlin 1990. Als IPkW-Onlinetext. Hegel, G.W.F.: Phänomenologie des Geistes. Einleitung. S. 68-81 der Theorie Werkausgabe Bd. 3, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a.M. 1970. Marcuse, Herbert: Die Phänomenologie des Geistes. S. 89-113 in: Vernunft und Revolution. Schriften Bd. 4, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a.M. 1989. Marx, Karl: Kritik der Hegelschen Dialektik und Philosophie überhaupt. S. 568-588 in: Ökonomisch-philosophische Manuskripte, MEW Ergänzungsband. Schriften bis 1844. Berlin (DDR). Marx, Karl: Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung. MEW 1, Berlin (DDR). Marx grundlegende Schriften Marx, Karl: Ökonomisch-philosophische Manuskripte, in: MEW Ergänzungsband. Schriften bis 1844. Berlin (DDR). Ders., Die entfremdete Arbeit / Privateigentum und Kommunismus, aus: Ökonomisch-philosophische Manuskripte, MEW Ergänzungsband. Schriften bis 1844. Berlin (DDR). Auszug als IPkW-Onlinetext. Marcuse, Herbert: Neue Quellen zur Grundlegung des Historischen Materialismus. In: Herbert Marcuse Schriften Bd. 1, S. 509-555. Marx, Karl: Thesen über Feuerbach. Marx-Engels-Werke (MEW) Bd. 3, S. 5-7. Als IPkW-Onlinetext. Marx, Karl: Die Deutsche Ideologie, in: MEW 3, Berlin (DDR) Interpretationen zum Praxiskonzept Bloch, Ernst: Weltveränderung oder die Elf Thesen von Marx über Feuerbach. In: Das Prinzip Hoffnung Bd. 1, 19. Kapitel, S. 288-334. Marcuse, Herbert: Philosophie und kritische Theorie. In: Herbert Marcuse Schriften Bd. 3, S. 227-249. Schmied-Kowarzik, Wolfdietrich: Die Dialektik der gesellschaftlichen Praxis. Zur Genesis und Kernstruktur der Marxschen Theorie. Karl Alber Verlag, Freiburg/München 1981. Ders.: Thesen zu Marx als Denker im Zeitalter des Postkommunismus. S. 156-162 in: Das PRAXIS-Konzept im Zentrum gesellschaftskritischer Wissenschaft. BoD-Verlag, Norderstedt 2005. Als IPkW-Onlinetext. Schnegg, Julia: Schnegg, Julia: Praxis als Erkenntnis- und Theorieproblem. Die Feuerbachthesen von Marx und die Theorie der Praxis von Bourdieu. S. 86-112 in: Horst Müller (Hg.), Die Übergangsgesellschaft des 21. Jahrhunderts. Kritik, Analytik, Alternativen. BoD-Verlag, Norderstedt 2007. Als IPkW-Onlinetext. Müller, Horst:
Der Bogen Feuerbach, Marx, Bloch, Bourdieu: Realismus und
Modernität des Praxisdenkens.
S. 24-40 in: Ders. (HG:), Das PRAXIS-Konzept im Zentrum
gesellschaftskritischer Wissenschaft. BoD-Verlag, Norderstedt 2005. Als
IPkW-Onlinetext. |
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