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Auf dieser Webseite:

Eingangs eine Kurzdefinition, dann programmatischen Thesen der praxisphilosophischen Initiative. Schließlich Hinweise zur angestrebten Vernetzung praxiszentrierter Ansätze und zu bisherigen Entwicklungsschritten.

Verwandte Themen:

Impressum und Personalia: Kontakt zur Initiative. Aktuelle Nachrichten und Veranstaltungskalender: Aktuelle Informationen. Begrüßung neuer Gäste: Webfoyer. Veröffentlichungen von Horst Müller: Publikationen und Downloads zum Download
  
  

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  Kurzinformation zur Initiative
    
Der
IPkW-Folder informiert über die Arbeitszusammenhänge und Angebote der Initiative für Praxisphilosophie und konkrete Wissenschaft.
  
   Kurzdefinition des Projekts
  
Entwicklung der Konstitutionstheorie gesellschaftlicher Praxis und einer praxiszentrierten Wissenschaftlichkeit jenseits des traditionellen Marxismus oder nurmehr Kritischer Theorie. Paradigmatische, das heißt zugleich methodologische Ausformung dieser Position unter dem theoriegeschichtlich neuen Titel Konkrete Praxisphilosophie.

Praxisanalytische Überschreitung der Kritik der politischen Ökonomie, der traditionellen Wert-, Kapital- und Krisentheorie, im Zuge der Konzeptualisierung einer in Reichweite liegenden Sozialwirtschaft als Alternative zur Kapitalwirtschaft. Kritik der herrschenden Wirtschaftstheorie und der Politik der neoliberalen Globalisierung aus der Perspektive der positiven Alternative.

Klärungen hinsichtlich eines realistischen Zielprojekts gesellschaftlicher Transformation, das vorläufig im Sinne einer demokratischen Wirtschaftsgesellschaft auf sozialwirtschaftlicher Grundlage umschrieben wird. Beiträge zur aktuellen Programmatik gesellschaftlicher Transformation als Antwort auf die Systemkrise.
     

Programmatische Thesen

     
Die praxisphilosophische Initiative zielt auf die Ausformung einer zeitgemäßen politischen Philosophie, welche die besten Elemente der kritischen, utopisch inspirierten Theorie vereinigt und als Konkrete Praxisphilosophie weiterbildet. Diese Konkrete Praxisphilosophie versteht sich als Überschreitung sowohl der Kritischen Theorie als auch traditioneller Marxismen, zugleich aber auch als entscheidender Schritt zum Konkretwerden bisheriger Philosophie der Praxis. Dazu sollen theoretische Ressourcen versammelt und ein Forum für produktiven Austausch geschaffen werden.

Die Initiative knüpft an das reiche Erbe der europäischen Denklinie einer Philosophie der Praxis an, die sich von Karl Marx über Antonio Gramsci, jugoslawische Praxisdenker, Herbert Marcuse bis hin zu Ernst Bloch, Henri Lefebvre und bis in die aktuelle politische Philosophie und kritische Gesellschaftstheorie erstreckt, Klassiker wie G.H. Mead und moderne Soziologen wie Pierre Bourdieu eingeschlossen. In schöpferischer Weiterentwicklung soll das Praxisdenken als operatives Wissenschaftskonzept und paradigmatische Grundposition konkretisiert werden.

Die Wissenschaft der politischen Ökonomie erhält dadurch den Anstoß zu praxistheoretischen Konzeptualisierungen und zugleich die Hinorientierung auf die Überschreitung der klassischen Kritik: Die Gedankenrichtung einer Utopistik der politischen Ökonomie knüpft an das unvollendete Projekt der Marxschen Entfremdungs-, Kapital- und Krisentheorie an und legt den Schwerpunkt auf die theoretische Perspektive und gesellschaftliche Anforderung einer neuen Wirtschaftsverfassung. So ist das Konzept einer Sozialwirtschaft als Systemalternative zur Kapitalwirtschaft als Antwort auf die Prekarität und die Krisen in der Zeit der Globalisierung zu verstehen.

Der vormals  versuchte reale Sozialismus scheiterte, indem er einen wahrhaft neuen Gesellschaftszustand weder theoretisch noch praktisch erreicht oder vielmehr gründlich verfehlt hat. Auf der anderen Seite führte die fortgeschriebene Kapitalismus- und Imperialismuskritik die Prekarität der herrschenden Zustände immer neu vor Augen, hat aber kein transzendierendes Produktivkraftensemble identifizieren und die Perspektive des Neuen nicht erobern können. Daher konnte den Herausforderungen der kapitalwirtschaftlichen Globalisierung noch kein vereinigendes Zukunftskonzept entgegengehalten werden.

Heute, an der Schwelle zum 21. Jahrhundert, ist die vorherrschende Gestalt der gesellschaftlichen Praxis alt geworden und tritt in eine finalisierende Entwicklungs- und Übergangsperiode ein. In dieser Situation ist entscheidend, ob erwachenden sozialen Kräften eine konsequente und vertrauenswürdige Alternative zum ideologischen Vexierbild der sozialen Marktwirtschaft und zur neoliberal radikalisierten Kapitalwirtschaft aufgewiesen werden kann: Die Weiterentwicklung der Idee einer demokratischen Wirtschaftsgesellschaft auf sozialwirtschaftlicher Grundlage kann zu einer Politik der gesellschaftlichen Transformation beitragen, die keinen Lebensbereich auslässt.
    

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Eine Plattform für praxiszentrierte Denkansätze
  
Es wird hier als Aufgabe angesehen, zugleich mit der Verfolgung des persönlichen Arbeitsprogramms einen Netzknoten für Ansätze mit wesentlichem Bezug zur Philosophie der Praxis zu schaffen. Ein Informations- und Kommunikationsplattform in dieser spezifischen Ausrichtung existiert bisher nicht: Darin liegt gerade die Misere dieser europäischen Denkströmung, welche schon immer über den traditionellen Dialektischen Materialismus hinauswies und die eigentliche Alternative zur Kritischen Theorie darstellte, aber aus bestimmten theoretischen, politischen und geschichtlichen Gründen ihre geistige Potentialität nicht angemessen zur Geltung bringen konnte.

Es würde zweifellos leicht fallen, Gründe für die verhinderte Entfaltung des Ansatzes in der erlittenen Verfolgung ihrer Vertreter im Osten, ihrer gezielt betriebenen Marginalisierung und Diffamierung im Westen zu finden. Ohne Zweifel hat die prekäre Lage einzelner Protagonisten oder haben historisch durchschlagende Gegentendenzen theoretische Kreativität blockiert oder auch gebrochen. Die Gründe sind vielfältig, und ihnen wird im Zusammenhang historischer und systematischer Sondierungen weiter nachzugehen sein.

Jedoch gibt es auch immanente Probleme des Denkansatzes, die eine paradigmatische Ausformung und Positionierung im Intellektualleben bislang verhindert haben: Beispielsweise blieben entscheidende Fragen einer Erkenntnistheorie der Praxis seit der Marxschen Grundlegung bis in die Gegenwart ungelöst, oder das praxisphilosophische Denken versiegelte sich gleichsam selbst auf hohen Abstraktionsebenen, aus Sorge vielleicht vor einem Selbstverlust im Zusammenhang aktueller Wirtschafts- und Gesellschaftstheorien.

Nach dem Scheitern der Gesellschaftsexperimente des 20. Jahrhunderts und angesichts der neoliberalen Globalisierung erwachsen aber nun neue Anforderungen: Zunehmend enthüllt sich das katastrophische Wesen der kapitalistischen Entwicklungsform der Gesellschaft. Die notwendige Reorganisation des geistigen Orientierungszentrums der modernen Emanzipationsbewegungen wird ohne die volle Einholung des praxisphilosophischen Erbes und ohne die Konkretion des Ansatzes in einer dialektischen Analytik gesellschaftlicher Praxis nicht möglich sein. So gibt es Gründe genug, die vielfach zerstreuten praxisphilosophisch inspirierten Intentionen und Arbeitsansätze zu vernetzen und darauf zu setzen, dass daraus neue Impulse erwachsen.
    

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Notizen zur Entwicklung der Initiative
  
2001: Die Webseite der Initiative für Praxisphilosophie und konkrete Wissenschaft wurde zum Jahresbeginn eröffnet. Sie hat sich seither zum führenden Forum für Fragen der Philosophie und Wissenschaft gesellschaftlicher Praxis 'aus der Marxschen Wurzel' entwickelt. Von dem Kolloquium zu philosophischen, politischen und historischen Aspekten der Praxis-Diskussion in der DDR - im Oktober 2001 bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen in Leipzig  - gingen neue Impulse aus.

2002: Im Rahmen eines Seminars zum Theorie-Praxis-Konzept bei Helle Panke in Berlin, im Dezember 2002, wurden auch Fragen  zum Leipziger Praxiskonzept, zu dem Versuch eines Paradigmenwechsels innerhalb der staatstragenden Philosophie der DDR vorgelegt.

2003: Im März wurden die zum Kolloquium in Leipzig eingegebenen Beiträge veröffentlicht: Volker Caysa / Helmut Seidel / Dieter Wittich (Hrsg.): Zum philosophischen Praxis-Begriff. Die zweite Praxis-Diskussion in der DDR. Texte zur Philosophie Heft 12, Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen 2002. Das Forum politische Philosophie in Nürnberg widmete sich im Wintersemester 2003/04 der Auseinandersetzung zwischen einer Konkreten Praxisphilosophie und der Theorie des kommunikativen Handelns bzw. den neuesten Varianten der Frankfurter Gesellschaftstheorie.

2004: Im Februar 2004 fand bei der Initiative für Praxisphilosophie und konkrete Wissenschaft in Nürnberg die Arbeitstagung "Das PRAXIS-Konzept im Zentrum kritischer Gesellschaftswissenschaft" statt. Es war ein ermutigendes Theorieereignis. In die Jahre 2004/05 fallen eine Reihe von Veröffentlichungen zu den Themen Marx, Marxismus und Praxisphilosophie sowie Konkrete Utopie, Praxisdenken von Feuerbach und Marx bis Bloch und Bourdieu, Weltsystemtheorie, Programmatik der modernen Sozialbewegungen.

2005: Im Oktober wurden die Beiträge zur PRAXIS-Tagung und ergänzende philosophisch-ökonomische Texte im Sammelband Das PRAXIS-Konzept im Zentrum gesellschaftskritischer Wissenschaft veröffentlicht.

2006: Im November fand in Nürnberg die zweite PRAXIS-Tagung statt: "Transformation der gesellschaftlichen Praxis. Analysen und Perspektiven". Das Konzept dieser und auch künftiger Tagungen besteht darin, die philosophisch-wissenschaftliche Fundierung zu vertiefen und gleichzeitig auf dem Weg zur politisch-ökonomischen Konkretion weiter voran zu gehen. Eine kleine bebilderte Dokumentation des Ereignisses ist online verfügbar.

2007: Im Juni erfolgte die Veröffentlichung von Beiträgen und Materialien der 2. PRAXIS-Tagung im Sammelband Die Übergangsgesellschaft des 21. Jahrhunderts. Kritik, Analytik, Alternativen. Im Rahmen der Attac-Sommerakademie 2007 wurde der Workshop Vom Marxismus zur modernen Praxisphilosophie angeboten. Ein Zeitschriftenaufsatz gilt dem Thema Historische Schranken der Kapitalwirtschaft und die Frage nach der konkreten Alternative. Im Dezember 2007 erschien, ebenfalls in der Zeitschrift Sozialismus, die Besprechung Zur Übergangsgesellschaft des 21. Jahrhunderts. Eine philosophisch-ökonomische Initiative.

2008:  In Vorträgen, Diskussionen und Veröffentlichungen wurden die Theoretischen Grundlagen einer Alternativen Ökonomie weiter vertieft. Aus dem Manuskript eines Vortrags bei Helle Panke im Februar entstand im Laufe des Spätsommers die umfangreiche Studie Vom Marxismus zur Konkreten Praxisphilosophie. Einführung mit Untersuchungen zu Marx, Bloch, Habermas, Mead, Bourdieu. Herausgeber und Vertrieb: Helle Panke e.V.: Publikationsreihe Philosophische Gespräche Heft 12, Berlin 2008 ( 68 S. / 3 € ). Der Text umfasst in Buchform über 100 Seiten und versteht sich als Einführung in die Philosophie und Wissenschaft gesellschaftlicher Praxis, mit Bezugnahme auf die heutige gesellschaftsgeschichtliche Übergangssituation und Anschlusstellen für die politisch-ökonomische Erforschung einer Systemalternative.

2010: Im Februar 2010 fand die 3. PRAXIS-Tagung in Nürnberg statt. Eine kleine bebilderte Dokumentation als PDF-Datei ist online verfügbar. Die Publikation zur Tagung im gleichnamigen Sammelband Von der Systemkritik zur gesellschaftlichen Transformation erfolgte im November  2010. Der umfangreiche Artikel "Zur wert- und reproduktionstheoretischen Grundlegung und Transformation zu einer Ökonomie des Gemeinwesens" stellt den aktuellen, gefestigten Stand des Konzepts "Sozialwirtschaft als Systemalternative" dar.

2011: Im Zusammenhang einer Seminarveranstaltung in Österreich wurde die Entwicklung Vom Marxismus zur Konkreten Praxisphilosophie im 21. Jahrhundert in Kombination von Vortrag und Folienpräsentation umgreifend aufgearbeitet. Ausschnitte aus dem Vortrag und einem anschließenden Interview finden sich auf  Videos auf YouTube. In einer Präsentation zur Tagung Marx2011 in Trier konnte das Konzept Sozialwirtschaft pointiert und medial unterstützt dargestellt werden.

Vor dem Hintergrund der bisherigen philosophisch-ökonomischen Vorarbeiten ist damit die erste Entwicklungs- oder Fundierungsetappe der Initiative für Praxisphilosophie und konkrete Wissenschaft seit ihrem Beginn vor 10 Jahren abgeschlossen. Für 2012 ist zunächst die Bearbeitung und Veröffentlichung des Vortrags zu Marx 2011 "Kapitalwirtschaft, Sozialstaat und allgemeine Produktionsbedingungen. Eine Wert- und Transformationsanalyse" vorgesehen.
  

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