3. PRAXIS-Tagung
Von der Systemkritik
zur gesellschaftlichen Transformation
26.-27. Februar 2010
in Nürnberg
Der Schwerpunkt der 3. PRAXIS-Tagung lag nicht auf
der bereits vielstimmig artikulierten Kritik oder auf
Krisenanalysen, sondern ganz entschieden auf weitergehenden Fragen
hinsichtlich einer
konkreten Systemalternative oder auch
gesellschaftlichen Transformation. Dem Programm sind ausgesuchte
Begleit- und Studientexte im Sinne eines theoretischen
Themenparks beigefügt.
Themenfelder und Fragestellungen
1. In der
öffentlichen Debatte dominiert eine Interpretation der Finanz- und
Wirtschaftskrise, der zufolge es sich um eine vor allem durch Fehlverhalten
verursachte, aber jedenfalls korrigierbare und vorübergehende Systemstörung
handelt und nicht um eine säkulare Systemkrise im eigentlichen
Sinn. Aber auch von den Kritikern, die von
letzterer Annahme ausgehen, wurde
die Bestimmung der eröffneten gesellschaftsgeschichtlichen Periode als formationeller Übergang und damit das Konzept einer
gesellschaftlichen Transformation noch zu wenig ausgearbeitet.
2. Die vielstimmige, kontroverse Auseinandersetzung mit
philosophisch-wissenschaftlichen Grundfragen im Anschluss an Marx
geht weiter. So soll, mit Blick auf den maßgeblichen Kern
des Marxschen Praxisdenkens, die
Auseinandersetzung mit Beiträgen der
neueren Marxinterpretation weitergeführt
werden. Daran schließt die
Aufgabe an, eine praxistheoretische Grundlegung der
Gesellschaftswissenschaften weiter zu profilieren und im
Paradigmenstreit zu behaupten.
3. Fragen der
Forschungsmethode der politischen Ökonomie heute bilden die Brücke
zwischen Grundlegungsfragen und konkreteren
Untersuchungen. Diese zielen letztlich auf eine wert-, reproduktions- und
praxisanalytisch aufgeklärte Alternative der politischen Ökonomie und
gesellschaftlichen Praxis. In diesem Zusammenhang
kann die Kritik gängiger Wirtschaftslehren
weiter vertieft werden. Darüber hinaus
kommt es aber vor allem darauf an, im
Schoße des Bestehenden vorhandene, konstitutive Elemente einer
zukünftigen neuen Reproduktionsordnung und zivilisatorisch höher
stehenden Sozialformierung zu fassen.
4. Mit dem Hinweis auf öffentliche
Infrastrukturen oder
Begriffen wie Sozialökonomie
und Dritter Sektor werden
wirtschaftsgeschichtlich markante Entwicklungen angesprochen,
die mit der Entfaltung des
Steuer-, Finanz- und Haushaltswesens des modernen Sozialstaates
zusammenhängen. Inwiefern sind hier Bereiche
gesellschaftlichen Arbeit angesprochen,
die für eine zukünftige Reproduktionsordnung
besonders bedeutsam sind?
5.
Was
herkömmlich als Maschinensteuer oder auch als Wertschöpfungsabgabe
bezeichnet wird, ist wert- und reproduktionstheoretisch unzureichend erhellt
und stellt möglicherweise einen wesentlichen Ansatz für eine
politisch-ökonomische Intervention, für die Sozialpolitik,
für die Wiedergewinnung
gesellschaftlicher Kontrolle oder auch systemische Transformation dar.
6.
Die
kommunal verfasste urbane Praxis fungiert heute als Grundeinheit
gesellschaftlicher Reproduktion und Lebenswirklichkeit. Welche kreativen
Kräfte oder transformatorische Potentialität weist dieser Bereich
der individuellen Reproduktion und Produktion des Öffentlichen, dieser
Raum des Alltagslebens und der Zivilgesellschaft,
diese Ebene demokratischer Selbstorganisation auf?
Publikation der Ergebnisse
Noch 2010 ist eine Publikation der
Vorträge unter dem Titel
Von der Systemkritik
zur gesellschaftlichen Transformation in
der Reihe Studien zur Philosophie & Wissenschaft gesellschaftlicher
Praxis vorgesehen.
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